Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - I. Das Christentum in Arabien zur Zeit Muhammeds
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I5°
tor andrae
des DIONYSIUS gibt also zu verstehen, dass die Blütezeit der
jemenensischen Kirche schon in der letzten Zeit ’Abrahas von
einer Periode des Rückgangs abgelöst wurde. Der Mangel an
legitimer Kirchenleitung, innere Uneinigkeit und
Lehrstreiiig-keiten haben die Stellung der südarabischen Kirche geschwächt.
Offenbar ist diese Schilderung der Tatsachen nicht mit der
Angabe in der Disputatio c. Herbano zu vereinigen, nach der
der heilige Bischof Gregentius, den ’Ela ’Asbaha eingesetzt hatte,
dreissig Jahre lang der Kirche in Jemen vorgestanden haben
soll. Wie die Gregentinischen Schriften überhaupt durch ihre
Unkenntnis der südarabischen Verhältnisse ihre Unechtheit zu
verraten scheinen,1 unterliegen auch ihre geschichtlichen
Angaben schweren Bedenken.2 Für einen —• zumal orthodoxen —
Bischof Gregentius hat die Geschichte der südarabischen Kirche
offenbar gar keinen Platz.
Ein neuer Umsturz der politischen Verhältnisse Jemens hat
indessen bald das südarabische Christentum in neue Bahnen
gelenkt. Die Jemenenser empörten sich gegen die niemals recht
geduldete abessinische Herrschaft und machten sich mit
persischer Hilfe von dem fremden Joche frei. Seitdem ein
einheimischer Fürst Saif b. dl Jazan eine Zeit lang unter
persischer Oberhoheit das Land regiert hatte, sandten die Perser
endlich nach neuen Unruhen eine zweite Expedition unter der
Führerschaft des Feldherrn Wahriz 597. Jemen wurde eine
persische Provinz. Die bitter gehassten Schwarzen wurden nach
den arabischen Quellen3 schonungslos ausgerottet.
Ohne Zweifel hat diesmal die politische Umwälzung auch
eine religiöse veranlasst. Dem grossen politischen Gegensatz,
der die Geschichte Jemens zu dieser Zeit beherrscht:
Byzanz-Axum gegen Himjar und Persien entsprach auch ein religiöser:
das Christentum einerseits gegen das Judentum und das
altarabische Heidentum andrerseits.4 Es gab aber eine Form des
Christentums, die einen anderen Platz in der Kombination
dieses religiös-politischen Machtsystems behauptete: der
Ne-storianismus. Schon früher hatten die Nestorianer Persiens den
1 Vgl. Fell Z. D. M. G. XXXV, 74, Nöldeke a. a. O. 202.
2 Den Harmonisierungsversuchen der Bollandisten (Acta SS. Oct. X
759) zum Trotz.
3 Nöldeke a. a. O. 236 f.
4 Gläser, Skizze der Gesch. Arabiens I, 43. Zivei Inschriften, 118.
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