Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - I. Das Christentum in Arabien zur Zeit Muhammeds
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i5°
tor andrae
die besonders für die sozial Wehrlosen seiner Anhänger
verhängnisvoll wurde, Muhammed veranlasste, seine Blicke gen
Westen zu wenden.1 Es sind also nicht in erster Linie
religiöse Beweggründe, die Muhammed zum Anschluss an den Negus
vermochten, es ist das politische Zerwürfniss mit der
herrschenden Partei Mekkas, die ihn den Abessiniern in die Arme
trieb nach der Regel: die Feinde meiner Feinde sind meine
Freunde.2 Dass der Wechsel seiner politischen Haltung auch
religiöse Folgen hatte, werden wir noch sehen. Dass die Führer
Mekkas nach wie vor auf der Seite Persiens standen, hört man
aus den Worten in Sure 30 deutlich heraus. Das haben auch
die muslimischen Exegeten3 richtig gefühlt, wenn auch die
Mekkaner kaum die religiöse Seite ihrer Stellungnahme in der
Weise beachteten, wie jene Theologen meinten.
1 Vgl. Z. B. Ihn Sa’d I: 1, 136.
2 Eine ganz andere Auffassung als die hier vertretene findet man bei
Hartmann, Der islamische Orient II, 51 f., 509 f. Nach ihm ist freilich das
eigentliche Motiv des Propheten ein religiöses gewesen. Er hätte gesehen,
dass das alte südarabische Pantheon hilflos veraltet sei und dass es töricht
und hoffnungslos gewesen wäre, es im Norden konservieren zu wollen.
Aber er war auch von Anfang an »ein Gemisch von Schwärmer, Politiker
und Egoist». Er — und er allein — hat gewusst, welche Gefahr für die
Selbstständigkeit seiner Stadt das siegreiche Vordringen der Perser bedeute.
Er wendet sich also an die Feinde der Perser, die Abessinier, und sucht mit
aller Kraft seine Landsleute aufzurütteln, die freilich die Gefahr gesehen,
aber nicht die nötige Energie zur Gegenwehr besessen haben. Die
voranstehenden Ausführungen dürften gezeigt haben, wie wenig dies den
Tatsachen entspricht. Die Furcht vor den Persern 11m der nationalen Freiheit
willen bestand nicht in Mekka auch nicht bei Muhammed noch bei anderen.
Sie konnte auch kaum bestehen, denn die Stellung etwa der Lahmiden oder
der ’Umäniten unter persischer Oberhoheit wird sicherlich nicht in Mekka
als politisches Sklaventum angesehen worden sein. Die ganze Konstruktion
leidet an der Neigung H’s durch Hineininterpretierung moderner Empfindungen
und Gesichtspunkte die kärglichen Notizen von den altarabischen
Verhältnissen interessant und bedeutungsvoll zu machen: die Juden in Südarabien
werden moderne Finanzjuden, Muhammed eine Mischung von einem
Nationalhelden und einem religiösen Freigeist u. s. w. (Vgl die treffenden Worte
Becker’s Der Islam X, 219.)
3 »Es freuten sich die Ungläubigen Mekkas- und schmähten die
Genossen Muhammeds, wenn sie ihnen begegneten, indem sie sagten: Ihr seid
Schriftleute und die Christen sind Schriftleute, wir aber sind Heiden. Nun
haben unsere Brüder die Perser eure Brüder die Römer besiegt, und wenn
ihr mit uns kämpfen wollt, werden wir euch ebenfalls besiegen.» Wähidx,
’Asbäb al-mizül (Kairo 1315) 259.
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