Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
TOR ANDRAE
weine nicht! Wir wollen ein Königreich gewinnen wofern wir nicht
sterben; dann wären wir entschuldigt.»1 Aber bei diesem nach
modernem Masstab grössten Dichter des vorislamischen Arabien
schwingt in den Todesgedanken ein eigner Ton mit. Mich
wundert, dass ich fröhlich bin, das ist der Auftakt der schönen Verse
Ahlwardt 120: »Ich sehe uns eilen dem Unbekannten
entgegen, wir werden am Morgen gespeist mit Speise und Trank
— Sperlinge sind wir, Fliegen, Würmer und doch mutiger als
der heranstürmende Wolf». Aber die erkämpfte Fröhlichkeit
weicht bald der bitteren Schwermut des ewig enttäuschten
fahrenden Ritters: »Die Prüfungen und meine Herkunft werden
mir Genüge tun. Mit der Erde Ader sind meine Adern
verflochten. Dieser Tod raubt mir meine Jugend, bald wird
er mir Leib und Leben rauben, mich schnell in den Staub
werfen». Bitterer als sonst im arabischen Heidentum, fast
makaber, klingt bei ihm die Klage über die Gewalt der Zeit,
»des dahr». »Hat er dir nicht erzählt, dass die Zeit ein
Werwolf ist, ein trügerischer, der die Männer verschlingt? Er treibt
von dem Palaste den Prächtiggekleideten, der über Ebenen und
Berge herrschte. Ein Held ist er, der die Länder zerstört».2
Tiefe Wehmut atmet das Lied am Grabe der fremden
Prinzessin zu Ancyra, wo der Vielgewanderte der Tradition
zufolge zuletzt die Ruhe fand:3 »O Freundin, die Vereinigung
ist nahe. Hier werde ich bleiben, so lange der Fels des ’Asxb
bleibt. — Beide Fremdlinge, haben wir uns hier gefunden. Und
der Fremde ist ja des Fremden Verwandter». Indessen die
schwermütige Stimmung in Imri? ulkais Gedichten lässt sich
genügend aus dem traurigen Lebensgeschick des Poeten
erklären und sie hat mit einer christlichen meditatio mortis wenig
gemeinsam.
Keiner von den heidnischen Dichtern lässt so oft religiöse
Gedanken durchschimmern, wie al-Näbiga. Alläh ist es, der
dem Herrscher seine Macht gibt (Ahlw. 5V9), zu Alläh bittet
er für seinen königlichen Gönner um langes Leben (alllw.
11 vv5—6), um Regen in guter Zeit und Sieg, er bittet, dass
er ihm seine schönsten Wohltaten erweisen möge und ihm ein
Helfer werde gegen die Menschen (Ahi.W. 12w17—-20). Allahs
1 Ahlwardt, 130.
5 Ahlwardt, 204. Vgl. auch Ahlw., 129 vv. 22—23.
■ ’At. VIII, 73-
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>