- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugutredje årgången, 1923 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen

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tor andrae

was sie tun, wenn ich nun sterbe! Jedem Manne wird auf dem
Wege des Todes aufgelauert».1 Auch al-Näbiga scheint nicht
an ein jenseitiges Leben zu denken. »Sie sagen: eine Feste.
Dann sind sie stolz. Und was kann fest sein? Selbst die
Berge wanken. — Die Gräber geben ihre Toten nicht zurück
und nur die Sterne am Himmel und der Boden bleiben wie sie
waren». (Ahlw. 166). Nur ein einziges Mal schimmert bei
al-Näbiga der Jenseitsglaube durch. Es ist in dem Liede an
den gassanidischen Herrscher ’Amr b. al-Härit,2 wo der
Dichter inspiriert den christlichen Glauben der Gassaniden feiert:
»Sie besitzen eine Freigibigkeit, wie Gott sie keinem anderen
gab. Ihr Verstand verlässt sie niemals. Der Platz, wo sie
weilen, ist Gott eigen. Ihre Religion ist fest (dlnuhum kawim),
sie hoffen nur auf das Zukünftige (fa-mä jar gutta gaira l-awäkib]».

Es wäre durchaus unrichtig, wegen der oben analysierten
Aussagen von einer Annäherung an die christliche Bewertung
des Lebens bei den vorislamischen Dichtern zu sprechen.
Ebensowenig sind wir berechtigt, hier einen allgemeinen Pessimismus
vorauszusetzen, der so wie so als das Kennzeichen eines
7rX7jpco|j.a tod -/pövou die Zersetzung der altarabischen Religion
und das Anbrechen einer neuen Zeit ankündige. Nur bei einem
einzigen der zeitgenössischen Dichter finden wir unverkennbare
Anklänge an die eschatologisch gefärbte Frömmigkeit, die das
damalige Christentum wie auch die Religion Muhammeds
kennzeichnet. Es ist der christliche Dichter eAdi b. Zaid von Hira.

Die Erzählung von der Bekehrung Nu’mäns III. durch cAdi3
würde das vollends beweisen. Leider sieht sie einer
muslimischen Heiligenlegende allzuähnlich, um uns als völlig
vertrauenswürdig zu erscheinen. Der religiöse Ton in ’Adis
Gedichten ist indessen unverkennbar. Er feiert den Schöpfer,
»der die Sonne gemacht zu einer Grenze, die nichts verbergen
kann, sie scheidet zwischen Tag und Nacht».4 Allah bleibt
die einzige Hoffnung der Bedrückten: »Auf wen würdet ihr
hoffen können, wenn euer Frühling vergeht, ausser auf Gott,
und wer wird euch Feuer entzünden? Nein, ich schwöre bei

1 Su’ara al-Nasranijja, 477.

2 Ahlwardt, 3.

» ’Ag. II, 34-

4 Su’ara al-Nasrätiijja, 469.

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