- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugutredje årgången, 1923 /
196

(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen

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TOR ANDRAE

infolge eigner Schuld zu Grunde, und diese Schuld ist vor allem
Unglaube gegenüber den Propheten und Gesandten Gottes. Bei
cAdl wird nichts von einer Schuld der vom Schicksal Betroffenen
gesagt; im Gegenteil ist z. B. die Verschuldung betreffs Sana
gerade ausgeschlossen. Und doch ist die Verwandtschaft beider
Anschauungen nicht zu verkennen. Vor Hybris und vor
unbesonnenem Vertrauen auf das irdische Glück und Gut will ’Adi
warnen. Beides ist ein wichtiges Motiv auch in den koranischen
Prophetengeschichten, wozu freilich bei Muhammed die für ihn
charakteristische Warnung vor der Verachtung der prophetischen
Botschaft kommt. Bei einem christlichen Dichter wie ’Adl sind
diese Anschauungen durchaus selbstverständlich, und
verdächtige Anklänge an den Koran sind höchstens in
nebensächlichen Einzelheiten zu bemerken. Ich möchte also hier als eine
bedeutende Tatsache hervorheben, dass ein Dichter, der unter
den Christen von al-Hlra aufwachsen ist und mit ihren
Anschauungen vertraut sein muss, in einem wichtigen Punkte: in der
eschatologischen Stimmung der Frömmigkeit eine schlagende
Übereinstimmung mit der Predigt Muhammeds aufweist. Auch
al-’A’sä hat dieses Motiv bearbeitet. Jàküt (I 96) hat uns das
Fragment eines Gedichtes wo er »die Könige erwähnt, die die
Zeit [dahr) vernichtet hat» aufbewahrt. Dort schildert der
Dichter die Herrlichkeit von ’ Ab Iak, der Burg des jüdisches Fürsten
von Taima \ »Und nicht 1Ädijä [wurde geschont]. Sein Reichtum
und die Burg ’ Ab Iak in der jüdischen Taima von Sulaimän b.
Dä’üd erbaut vermochten ihn nicht vor dem Tode zu schützen».

Indessen diese Übereinstimmung ist nicht von der Art,
dass wir eine direkte Anlehnung seitens des Propheten annehmen
könnten, überhaupt sind die Spuren christlicher Beeinflussung
bei den vorislamischen Dichtern, wie wir ihnen jetzt gefolgt
sind, keineswegs eindeutig genug, um zur Lösung des
Problems vom Christentum im Koran führen zu können.

Anders würde freilich unser Urteil ausfallen, wenn die
Gedichte, die unter dem Namen ’’Umajjas b. ’abl-l-Salt überliefert
worden sind, als echt anzusehen wären. Leider wissen wir nicht viel
über diesen Dichter und angeblichen Rivalen Muhammeds. Was
wir Sicheres über ihn vermuten können, lässt sich in wenigen Sätzen
sagen. Er stammte aus Tä’if und muss also in Mekka zur Zeit

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