Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen
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DER URSPRUNG DES ISLAMS UND DAS CHRISTENTUM
2 o i
Muhammeds eine wohlbekannte Persönlichkeit gewesen sein.
Seine Dichtungen haben sicher gewisse Anklänge an christliche
Gedanken etwa in dem Stil von cAdl b. Zaid aufgewiesen.
Vielleicht führte er schon in seine Poesien die Namen etlicher
Patriarchen nebst einigen Zügen ihrer Geschichte ein. Gegen
Muhammed trat er aus unbekannten Ursachen feindlich auf und
dichtete ein Trauerlied auf die bei Badr Gefallenen. Vielleicht
hat er damit nur das getan, was immer am nächsten liegt:
nämlich die Partei des Mächtigeren ergriffen. Die religiöse
Zusammengehörigkeit mit Muhammed erstreckte sich also nicht
so weit oder war nicht tief genug begründet, um eine politische
Interessensgemeinschaft hervorzurufen. Den Muslimen, die in
’Umajjas Gedichten gewisse Übereinstimmungen mit dem Koran
fanden, die sie nicht anders als durch ein Wissen um die
früheren Offenbarungen zu erklären wussten, stand es fest, dass,
wenn ’Umajja also gegen besseres Wissen den Propheten
bekämpft hat, besonders zwingende Motive ihn dabei getrieben
haben müssen. Wie die Juden Muhammed beneideten und den
erwarteten Propheten den Arabern nicht abtreten wollten, so
ist ’Umajja aus Neid Muhammeds Feind geworden. Er hat
gehofft, selbst der Messias der Araber zu werden. So ist der
’ Umajjaroman, wie wir ihn z. B. Kitäb al- Agäni (III 186—192)
lesen, allmählich entstanden. Die Person ’Umajjas hat offenbar
den Muslimen imponiert. Sagenstoff verschiedener Herkunft
hat sich um ihn gesammelt. Als Dichter und Seher besitzt
er ein unheimliches Zauberwissen, selbst die Sprache der
Tiere hat für ihn keine Geheimnisse, als gelehrter »Hanife» hat
er aus den Büchern und in den Kirchen der Schriftleute —
eine geheimnisvolle, versiegelte Welt für den gemeinen Muslim! —
tiefes Wissen geholt. Schauer erweckt sein tragisches Ende;
denn er starb den Tod eines Ungläubigen. »Als ’Umajja*,
so lautet ein Bericht1, »von seiner letzten Krankheit befallen
war, sagte er: Mein Ende steht bevor; diese Krankheit wird
mein Tod. Ich weiss, dass der Hanifenglaube wahr ist und
doch befällt mich Zweifel über Muhammed. Als sein Ende
nahte, wurde er eine Weile ohnmächtig, dann erwachte er wieder
und sagte: Zu Diensten, zu Diensten’! hier bin ich! Kein
Reichtum kauft mich los, keine Sippe rettet mich! Darauf wurde
er wieder ohnmächtig, so dass die Anwesenden glaubten, es
1 Kitäb al’Agänl III, 191.
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