- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugutredje årgången, 1923 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen

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TOR ANDRAE

Die hier angedeuteten Parallelen führen uns also in die
Kreise jener alten Koranerklärer, die ein charakteristisches
Zwischenglied in der Entwicklung vom populären
Strassener-zähler zum wissenschaftlichen Geschichtsforscher bilden und
deren Erzeugnisse unter dem Namen Ibn ’Abfräs’ oder eines
seiner zahlreichen Schüler Wahb b. Munabbih, ’Ikrima, Katäda,
auftreten. Es wäre gewiss ein lockender Gedanke, diese ganze
Richtung, die in der Tat die traditionelle Koranexegese
und das Bild von dem früheren Lebenslauf Muhammeds
geschaffen hat, als die einheitliche Schöpfung einer Person
hinstellen zu können: des ’Abdallah b. ’Abbäs, der tatsächlich ein
Schlaukopf und rücksichtloser Streber gewesen ist, vorurteilsfrei
genug, sein Wissen zu holen, wo es zu holen war. Indessen
das wäre eine gewagte Konstruktion. Was für Namen an der
Spitze jener Erzählungen stehen, scheint mir oft ganz ohne
Bedeutung zu sein. Die Tätigkeit der Schule kennen wir, die
Persönlichkeiten werden uns in dem unsicheren Uchte unserer
Quellen kaum deutlich genug, zumal es sich ja noch nicht um
schriftstellerische Tätigkeit handelt.1

Von der späteren muslimischen Wissenschaft wie von
abendländischen Forschern sind die alten Erzähler meistens sehr
wenig milde behandelt worden. Wegen der Freiheit, die sie
sich bei der Behandlung des Stoffes erlaubten, sind sie oft als
»Lügner» gescholten worden.2 Von muslimischer Seite traf
der Tadel auch die Männer der folgenden Generation, die ihre
Erzählungen zu systematisieren anfingen: in der Exegese
al-S/tddi. in der Geschichte al-Kelbl und Ibn ’Ishäk. Indessen die
harten Worte sollten wir uns lieber sparen. Die alten Ki/ssäs
hatten andere Meinungen als wir von dem Zweck einer
geschichtlichen Erzählung. Sie wollten ihr Publikum unterhalten
und erbauen. Viel Wunderliches hörten sie auch von Juden
und Christen, von denen sie kritiklos allerlei Apokryphes
übernahmen.3 Recht verstanden ist diese alte Volksdichtung aller
Schulthess Beitr. zur Ass. XVIII: 3, 6 wies auf die frappante Ähnlichkeit
zwischen unserer Stelle und Zamahsa.11 zu Sure 37: 107 hin. Z. gibt nur
ein kurzes Referat von al-Suddis Bericht ohne Quellenangabe.

1 Der Tafsir des Ibn ’Abbas wie etwa das Legendenbuch VVahbs sind
wahrscheinlich von irgend einem Traditionisten zusammengestellt worden.

3 Uber den oben erwähnten al Suddl vgl. Dahabl: Mlzän al-i’tidäl 1,
93: »Leit hat gesagt: zwei Lügner gab es in Kufa, al Kelbl und al-Suddi.»

’ Das ist ein besonderer Grund der Missbilligung der Späteren. Vgl. z. B.
das Urteil al-Nadrvis über Ibn ’Ishäk, Fihrist, ed. Flügel, 92. Die Vor-

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