Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen
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DER URSPRUNG DES ISLAMS UND DAS CHRISTENTUM
2 o i
Ehren wert und sowohl aus literarischem wie aus
sagengeschichtlichem Gesichtspunkt verdient sie, näher untersucht zu werden.
Literarisch war die Form dieser Mitteilungen
gewöhnlich die Prosaerzählung, die wohl aber, wie dies in der späteren
Unterhaltungsliteratur der Fall ist, oft mit eingestreuten Versen
geziert wurde. So entstand sehr früh auch eine reiche
pseudo-epigraphische Dichtung. Ibn ’Ishäk hat in seiner Sira
zahlreiche Fragmente dieser »Dichtungen» von den Söhnen und
Töchtern r’Abd al-Muttalibs von Zeid b. cAmr, Waraka b.
Nau-faly u. s. w. aufgenommen. cAbd al-Muttalib Hess man in
einem Gedicht die Erbauung der Ka^ba durch Abraham
erzählen.2 Selbst die Propheten mussten als Dichter auftreten.
Man rezitierte Verse von Sulaimän b. Daüd, »die auf einer
Kuppel geschrieben standen».3 Wenn nun sogar ein Gedicht
angeführt wird, das Adam beim Tode Abels hergesagt haben
soll,4 muss man sich fragen, ob die Fiktion der Autorschaft
noch aufrecht erhalten wird. Das beste, was sich die Kussäs
geleistet haben, ist doch vielleicht das Gedicht »eines frommen
Mannes aus Tamüd», der sogar mit Namen genannt wurde:
al-Muhawivas b. cAnavia b. al-Damll.5 Als ein Erzeugnis dieser
pseudoepigraphischen Dichtung besitzen wir noch einen Dizvän
des ’Abü Tälib.6 Ein zweites derselben Art war — wenigstens
zum grössten Teile, der Diwan Umajjas, den wir nur noch in
Bruchstücken besitzen. Die Gedichte ’Umajjas zeigen, wie
oben bewiesen wurde, eine unverkennbare Verwandtschaft mit
den literarischen Produkten der alten Kussäs.
Sc HU LT HESS7 bemerkt richtig, dass die Gedichte ’Umajjas
den Überlieferungen des Wahb b. Munabbih so ähnlich sind,
Urteilslosigkeit gegen die Schriftleute kennzeichnet auch ’ Umajja. Die Verse
über die Wiederkunft Christi Ps. Balhi II, 145 z. B. hätte sicher ein späterer
Muslim nie geschrieben.
1 Vgl. zu den beiden letzteren auch ’Ag. III, 13—17.
Cheikho, al-Nasränijja, 266. Der Islam hatte auch wie einst Europa
im siebzehnten Jahrhundert Gelehrte, die aus antiquarischem Interesse zu
Fälschern wurden. In der Schatzkammer des Kalifen al-Ma’müns wurde
ein Buch aufbewahrt, das sich als ein Autographon ’Abd al-Muttalibs gab.
Fihrist, ed. Flügel, 4.
3 Baihakl, Kitäb al-Mahäsin I, 47.
4 Tabari, Annales ed. de Goeje I, 146.
5 Tabari, Tafslr VIII, 148
K Brockelmann I, 43.
1 Orientalische Studien Nöld. 1, 87.
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