- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugufjärde årgången, 1924 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Weltuntergangsvorstellungen

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1 6 2 R. R EITZENSTEIN

Knecht stammen und dies wieder aus einem skandinavischen
verlorenen Märchen. Schliesslich muss ein finnisches Lied, in dem
einem Fischer das Schwert an dem Kopf des Riesenfisches
zerspringt, daran erinnern, dass Petrus in dem Garten Gethsemane
ein Schwert trägt und dem Malchus ein Ohr abhaut, und die
Aufforderung an einen Schiffer, sich in die Wellen zu werfen und unter
dem Boot nachzusehen,- woran es festhängt (also zu tauchen),
daran, dass Petrus auf dem See Genezareth zu wandeln versucht
hat. Ich gehe auf die Willkürlichkeit dieser »motivsuchenden»
und konstruierenden Märchenforschung nicht ein; die einfache
Reihenfolge »nordische Sage, christliche Umdichtung auf die Fahrt
über den See Genezareth, finnische Nachbildung» scheint mir so
klar, dass ich nur feststelle, das Märchen der Lappen und die
finnischen Volkslieder von der Fahrt Jesu bezeugen, dass das
Edda-Lied wirklich eine skandinavische Sage vom Gotte Thor wiedergibt.
Sie ist auf dem Grabdenkmal zu Gosforth dargestellt; also muss
sie als Typus oder Symbol der christlichen Hoffnung auf
Auferstehung gegolten haben. Dies aber lässt sich nicht nur aus der
einen Stelle Gregors, sondern der ganzen christlichen Literatur
der Zeit mühelos nachweisen; die Hiobstelle ist dabei in der Tat
benutzt, weil sie frühzeitig auf Christus gedeutet worden
war.

Bis zu Origenes lässt sich bekanntlich die Auffassung
zurückverfolgen, dass Gott den Teufel betrogen hat1; er wusste voraus,
dass dieser die reine Seele Jesu nicht würde halten können. Für
die Höllenfahrt selbst nahm er beide Anschauungen, die eines
Kampfes und die der Heilsverkündigung auf, ohne ihren Gegensatz

1 Auf ihre Vorstufen, den Glauben, dass der Erlöser unerkannt von
den teuflischen Gewalten zur Erde herabgestiegen ist und dass sie, ohne
seine wahre Natur zu ahnen, seinen Tod veranlasst haben, gehe ich hier
nicht ein. Sie führen bekanntlich bis zu Paulus und über ihn hinaus bis ins
hellenistische Judentum und Heidentum. Besonders charakteristisch scheint
mir die von Bousset (Hauptprobleme der Gnosis 258) hervorgehobene
mar-cionitische Fassung (Eznik übers, v. Schmid, S. 176): »Nach deinem Sterben
wirst du in die Hölle hinabsteigen und sie (die vom Gesetzesgott in die Hölle
geworfenen Geschlechter der Menschen) von dort herausziehen; denn die Hölle
ist nicht gewöhnt, in sich das Leben aufzunehmen. Und deswegen kommst
du an das Kreuz hinauf, damit du gleichst den Toten, und dass die
Hölle ihren Rachen auftue, dich aufzunehmen, und dass du in sie
hineintretest und sie ausleerest.» Dem Bild von der Angel sind wir hier schon
ganz nahe, wenn auch der zugrundeliegende Mythos anders gewendet ist.

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