Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum. III. Die Eschatologische Frömmigkeit Muhammeds
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TOR ANDRAIS
sichtlich seiner Herkunft und seiner geschichtlichen Stellung
datierbaren christlichen Kerygmas? Ist letzteres der Fall und
könnte es auch gelingen, den Erweis zu bringen, von welcher
Seite und in welcher Form diese Ideen dem Bewusstsein
Muhammeds nahegebracht worden sind, dann wäre ein wichtiger
Schritt getan für ein besseres Verstehen der Entstehung jener
weltumfassenden religiösen Schöpfung des Islams.
Dass wir tatsächlich berechtigt sind, von der
eschatolo-gischen Frömmigkeit Muhammeds als von einer einheitlichen,
in sich geschlossenen Anschauung zu reden, die zugleich den
wichtigsten Ausdruck seiner religiösen Persönlichkeit darstellt,
kann erst durch die folgenden Darlegungen bewiesen werden.
Hier gilt es nur zunächst eine Übersicht über die
eschatolo-gischen Vorstellungen Muhammeds zu gewinnen, um dann zu
versuchen, sie in ihrer religiösen Bedeutung einzuschätzen.
Vorläufig sollen hier nur vereinzelte Parallellen aus der
Eschatolo-gie der biblischen Religionen1 angeführt werden, die in der
Hauptsache dazu dienen sollen, die koranischen Lehren besser
hervortreten zu lassen. Doch darf dabei das eine oder andere
Zitat aus irgend einer apokalyptischen Schrift nicht zu dem
Missverständnis verleiten, als hätte Muhammed nach meiner
Meinung eben diese Schrift gekannt. Wohl aber könnten solche
Zitate schon hier den Gedanken nahelegen, dass es sich bei
den Entlehnungen Muhammeds nicht nur um religiöse
Vorstellungen, sondern auch um feste Formulierungen solcher
Vorstellungen handele. Solche Formulierungen dürften dann nicht
aus apokalyptischen Schriften sondern vielmehr aus einer
bestimmten Verkündigung stammen, mit der Muhammed
irgendwie Bekanntschaft gemacht haben muss.
I. Die Vorstellungen vom Gericht u?id vom Jenseits im Koran.
Aus der Gerichtsverkündigung Muhammeds, besonders aus
der ältesten gewinnt man den bestimmten Eindruck, dass er
den jüngsten Tag als unmittelbar bevorstehend gedacht hat.
Er berichtet von der Gerichtskatastrophe in packendem Präsens
1 Uber die jüdisch christliche Eschatologie und den Koran siehe auch
R. Lfszynsky, Muhammedanische Traditionen über das jüngste Gericht.
(Diss. Heidelberg 1909.)
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