- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugufjärde årgången, 1924 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum. III. Die Eschatologische Frömmigkeit Muhammeds

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TOR AND RAE

des auffallend schroffen und einseitigen Jenseitsglaubens bei
den christlichen Kopten, hat zum ersten Mal ÄMËLINEAU
ausgesprochen.1 Er war es auch, der ebenso wie E. W. BuDGE2
gezeigt hat, dass offenbar viel Altägyptisches in der religiösen
Gedankenwelt der Kopten fortgelebt hat. Ein zuverlässiges
Kriterium für die Veränderungen bzw. die Kontinuität der
Jenseitsvorstellungen sind bekanntlich die Begräbnissitten. Nun
haben die Kopten anfänglich in wichtigen Stücken (z. B. bei
der Mumifizierung der Leichen) die altgewohnten Sitten
beibehalten.3 Diese Tatsache allein zeugt schon davon, dass sie auf
diesem Gebiet ohne grosse Umwandelungen ihren neuen
Glauben in die alten Vorstellungen vom Leben nach dem Tode
haben hineinschieben können. Den Namen des altägyptischen
Totenreiches Amente haben sie auf ihre christianisierte Hölle
übertragen.4 Aber auch mehr als den Namen.5 In einem
Punkte ist der altägyptische Einfluss jedenfalls unbestreitbar.
Es ist höchst auffallend, dass an keiner Stelle der
Mönchsliteratur, wo von dem fürchterlichen Gericht Gottes die Rede
ist, an das grosse allgemeine Endgericht gedacht wird. Der
Mönch hat vielmehr immer nur ein Gericht des Einzelnen im
Auge, das unmittelbar nach dem Tode stattfindet.6 Das
ist offenbar kein Zufall, denn die ägyptische Religion kannte
das allgemeine Gericht nicht, hingegen war die Vorstellung
von dem Gericht über den Einzelnen einer der wichtigsten
Gedanken des Jenseitsglaubens. Freilich hat offenbar die alte
Gerichtsvorstellung, wie wir sie aus dem 125 Kapitel des To-

1 Le Christianisme chez les anciens ccptes, R. H. Ii., XV, 74. Auch
W. H. Mackean führt den starken Jenseitszug der Mönchsfrömmigkeit aut
ägyptischen Einfluss zurück, Christian Monasticism in Egypt (London
1920), 59.

: E.gyptian ideas of the future life, 110 f.

3 Vgl C. Schmidt in Zeitschr. f. ägypt. Sprache und Altertumskunde,
XXXII (1894), 52—62, W. Schubart, Ägypten, 362.

4 Vgl. Burkitt in Journ. of Theol. Stud., 1922, 318.

5 Uber den ägyptischen Einfluss vgl. Amélineau, a. a. O., 53. Man
vergleiche auch die Vorstellung, dass ein guter Teil der Schrecken darin
bestehen soll, dass der Körper, seiner Seele beraubt, dem Untergänge verfällt
(siehe z. B. Budge, Coptic texts, I, 259). Das war der Kern der
Jenseitshoffnung des Ägypters, dass der Körper mit seinem Ka wieder vereinigt werde.

6 Vgl. ausser den angeführten Stellen besonders die Reden von Abba
Psote, Vertus de St. Macaire, Ann. Mus. Guimet, XXV, 162 und Budge,
Egyptian ideas of the future life, 112.

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