Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Nathan Söderblom, Pater Max Pribilla und die ökumenische Erweckung. Einige Randbemerkungen
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NATHAN SÖDERBLOM
nicht nur einzelne Christen und Richtungen in der Kirche, soll
die herzliche Zusammenarbeit durch die geistige Einheit vor dem
Kreuze Christi als Pflicht und hohes Vorrecht anerkennen,
organisieren und betätigen. Das macht die Sache viel schwieriger
und unangenehmer. Vielleicht bin ich in dieser Beziehung
kirchlicher als einige meiner Herzensfreunde und Mitarbeiter. Ich
bin es nicht durch meine Stellung geworden, sondern habe diese
Auffassung auch früher als Diener der Wissenschaft gehabt.
Man kann sagen, wir gehorchen dem Rufe des Geistes. Wir
versuchen gemeinsam, unsere Christenpflicht und unsere Einheit
klar zu erfassen, zu formulieren und zu verwirklichen. Erkennt
die Kirche die Zeit in welcher sie besucht wird, ja, dann wird
auch die offizielle Kirche mitmachen. Aber bleibt sie abseits,
bleiben die Kreise, die in verschiedenen Kirchengemeinschaften
eine Art von Monopol auf Kirchlichkeit und Frömmigkeit
beanspruchen, entweder gleichgültig oder stellen sie sich gar
feindlich, verhöhnen sie uns, bestreiten sie die Berechtigung unseres
Unternehmens, sollen wir dann darin nur noch ein Zeichen der
Verstocktheit der offiziellen Kirche oder solcher mehr oder weniger
pharisäischer Kreise sehen? Ich kann diese Gedanken nicht
billigen. Wir vertreten die Kirche mit ebenso gutem Rechte wie
die anderen. Es ist unsere unerlässliche Pflicht, alles zu tun,
um die Kirche als solche mitzureissen. Denn auch in ihren
äusseren Gestaltungen ist die Kirche doch eine Erscheinung des
wahren Leibes Jesu Christi, wenngleich wir nicht bestimmen
können, welche Menschen jenem geistigen Leibe Christi wirklich
einverleibt sind und welche nicht. Jenen Grundsatz versuchten
wir in Stockholm zu verwirklichen. Will man von einer zweiten
Originalität von Stockholm reden, so würde sie darin bestehen,
dass wir den ersten Versuch gemacht haben, die Kirche als
solche zu hören und in Bewegung zu setzen. Jetzt wird es
vielleicht verständlicher sein, warum ich es nicht wie so viele
Kritiker, denen der Verfasser zustimmt, bedauern kann, dass so
zahlreiche Würdenträger und Vertrauensmänner der offiziellen
Kirche, besonders in der deutschen Delegation, aber auch sonst,
in Stockholm anwesend waren. Man hat darüber gescherzt. Man
muss den Menschen ein kleines Vergnügen gönnen. Man hat
es scharf gerügt. Aber hat man die Sache wirklich durchdacht?
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