Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - I. Einleitung - 1. Einführung in die Geschichte der schwedischen Musik
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erich burger
südlicheren Gegenden. Hier wirkt die Nähe Dänemarks und
Deutschlands zu stark, um früh eigene Ausdrucksformen zu ermöglichen.
Am ehesten finden wir eine Anlage zu nationaler Kultur in
Mittelschweden, etwa von der Breite Stockholms an. Die nördlichsten
Gegenden zeigen nur geringe Anteilnahme am geschichtlichen
Geschehen, umso wichtiger sind sie für uns durch die vielfach in der
Abgeschiedenheit lebendig gebliebenen Kunstformen der
Vergangenheit.1 Die Unterschiede der Stände sind bei einem so ausgedehnten
Land mit geringer Bevölkerung für die Überlieferung kultureller
Werte ebenfalls bedeutsam. Es handelt sich zunächst um drei
Schichten: die der Kirche, des Adels und der Bauern. An Stelle des Adels
tritt am Ende die Mittelalters die aufblühende Kultur der Städte,
in der sich am stärksten ausländische Einflüsse geltend machen.
Die Ursache hierfür liegt in der raschen Zunahme der
Handelsbeziehungen mit Norddeutschland, insbesondere durch die Hanse.
Stockholm, Visby, Malmö werden geradezu Mittelpunkte deutschen
Lebens. Die starke Einwanderung deutscher Kaufleute, die schon
im 12. Jahrhundert beginnt, bringt ausserdem eine grosse Zahl
Priester und Mönche nach Schweden, die ihrerseits deutsche Sprache
und Kultur, besonders in den südlichen Teilen des Landes
verbreiten.2 Dazu tragen schwedische Kreuz- und Pilgerzüge sicherlich
viel zum Austausch von Volksgut, Märchen, Balladen, weltlichen
und geistlichen Liedern, Tänzen und Spielen bei.3 Im übrigen
gewinnen Kirchen und Klöster durch ihre, im wesentlichen romanisch
1 So hat sich bis in die heutige Zeit bei den Bauern in Jämtland ein
Vorfahre der späteren Bronzelure, die »Näverlur», ein primitives, aus Birkenrinde
konisch geformtes Blasinstrument erhalten, welches noch heute in
verkleinertem Ausmass als beliebtes Kinderspielzeug in Dalekarlien zu finden ist
(Vgl. unten S. 216, die »Nävervisa»). Dies ist auch ein Einwand gegen die
Ansicht, die Lure sei ursprünglich ein Kriegsinstrument gewesen. —
Pentato-nische Grundlage scheinen die in derselben Gegend sehr verbreiteten-
»Kuhrufe» zu haben.
2 Zeugnis hierfür gibt uns noch heute der Dom in Lund, dessen
Übereinstimmung mit dem Dom zu Speyer auffällig ist. Auch bei dem Dom zu
Linköping und den späteren Königschlössern von Vadstena, Örebro, Kalmar
ist der deutsche Einfluss unverkennbar.
3 Moberg weisst 33 allemannische Sequenzen nach, die wohl auf diesem
Wege im 13. Jahrhundert nach Schweden kamen (vgl. zu dem hier gesagten
noch Moberg 82—98).
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