Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - I. Einleitung - 1. Einführung in die Geschichte der schwedischen Musik
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
122
erich burger
hen vermochte.1 Die Instrumente bleiben in Schweden ausgeschlossen,
sogar meistens auch die Orgel2, die in d. frühen Form des Portativ
im 13. und 14. Jahrh. überwiegend weltlicher Musikübung dient.3
Durch die Sänger erfährt der gregorianische Choral eine rasche und
ziemlich weite Verbreitung im Volk, sodass wir die weltliche Musik
bald unter dem Einfluss dieser neuen überlegenen Melodik sehen.
Jedoch behauptet sich daneben auch die eigene ältere Pentatonik,
wie wir sie noch im Volksliedaufzeichnungen des 19. Jahrh. finden.4
Dies gilt sicherlich ebenso für die uns nicht mehr erhaltenen
Tanzweisen, die den späteren fremden Einflüssen völlig erliegen. Dort
wo aber Melodien an einen Text gebunden und dadurch nur wenig
verändert sind, werden die frühesten Elemente der schwedischen
Musik am deutlichsten.5 So besonders bei der alten Ballade, in der
wir auf Grund ihres episch-dramatischen Charakters den
unmittelbaren Erben des heidnischen Skaldengesanges vermuten dürfen.
Sie erscheint uns damit als die typische und vollkommene
Ausdrucksform nordischen Wesens.6 Ihre Geschichte ist die Geschichte
des nordischen Volkslieds. Mögen auch in der Blütezeit im 15.
u. 16 Jahrh. im Nichtgenügen an der eigenen Fülle zahlreiche
deutsche Balladen übernommen sein7, so sind doch diese so sehr
nordisches Eigentum geworden, dass wir sie als solche betrachten müs-
1 Moberg, Kyrkomusikens historia S. 394 ff.
2 Bischofstädte scheinen schon im Lauf des 14. u. 15. Jahrh. Orgeln
erhalten zu haben. Jedoch beginnt erst im 17. Jahrh. die Orgel in den Kirchen
allgemein zu werden. (Vgl. unten S. 129.)
3 Noch heute findet man — merkwürdig genug — auf dem Lande in
Schweden den modernen Nachkommen des Portativs, das Harmonium, als
beliebtestes Hausinstrument von ausgesprochen weltlichem Charakter, so z. B.
zum Spiel von Volkstänzen verwendet.
4 Vgl. hierzu Riemann: Folkloristische Tonalitätsstudien, S. 23 ff.
5 Mittelalterliche Melodien von Balladen sind uns nicht unmittelbar
erhalten, nur von einigen historischen Liedern kennen wir sie, deren frühestes
1318 aufgezeichnet ist. Jedoch lässt die spätere Überlieferung vielfach die
ursprüngliche Form erkennen, so besonders beim geistlichen Volkslied. (Vgl.
Anm. 4.) Ausserdem die Sammlungen schwedischer Volkslieder von
Geijer-Afzelius, Arwidsson, Ahlström u. dié Musikbeilagde von »Finn» 1903 zu
Norlinds Aufsatz »Svenska medeltidsmelodier».
6 Thierfelder, S. 12: »Es muss daran festgehalten werden, dass der
Grundzug nordischer Dichtung episch-dramatischer Art ist».
7 Vgl. dazu Thierfelder, S. 66.
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>