Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - I. Einleitung - 2. Die Einführung der Reformation und des deutschen Kirchenliedes
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deutsche kirchenmei.odien in schweden
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Orgelbegleitung, dessen rhythmische Einförmigkeit nur noch das
Gerippe der einst so lebensvollen Volksmelodien erkennen lässt!
Untersuchen wir noch den Inhalt dieses Buches, so verrät der
grösste Teil der Lieder deutsche Herkunft.1 Die übrigen sind teils
Übertragungen lateinischer Hymnen; teils sind sie dem dänischen
und französischen (reformierten) Gemeindegesang entnommen. Der
Rest ist (einschliesslich der noch unbestimmten Lieder)
schwedischen Urpsrungs.2 Die letzteren zeigen wenig Originalität, sondern
bewegen sich in Form und Ausdruck meist völlig in konventioneller
Abhängigkeit von deutschen Vorbildern. Auffällig ist das Fehlen
jeglicher Kontrafaktur, das für die Geschichte des schwedischen
Kirchenliedes (auch im Gegensatz zum dänischen) geradezu
charakteristisch ist.3 Umgekehrt lässt sich manche Melodie eines späteren
Volksliedes auf eine Choralweise zurückführen.4 Dies beweist
wiederum den schon oben erwähnten5 Mangel an lyrischen Volksmelodien,
die als Typus erst eigentlich mit dem deutschen Kirchenlied nach
Schweden kamen und zunächst nicht volkstümlich empfunden
werden konnten, sondern als fremdes Kunstprodukt der gelehrten
Nachahmung verfielen.6
Mit dem Choralbuch von 1697 ist die Entwicklung
abgeschlossen, die das schwedische Kirchenlied im 16. Jahrh. begonnen
1 Vgl. auch Winterfeld: Z. Gesch. heil. Tonkunst, S. 178 ff. Das
titellose Exemplar, das ihm vorlag und um dessen Datierung er sich
bemühte, ist unser obiges. Irrtümlicherweise hielt er es für das erste kirchliche
Melodienbuch Schwedens.
2 Vgl. unten S. 238.
3 Liedgren (S. 22) bringt als einzelnes Beispiel ein bäuerlich derbes
Hochzeits-Trinklied auf das Wohl eines Heiligen, das später geistlich parodiert
wurde. Erst am Ende des 18. Jahrh. scheint man einige alte Volksweisen in die
Kirche einbezogen zu haben. Vgl. hierzu Winterfeld (ebda. S. 191 ff.) und
Moberg: Kyrkomusikens historia, Uppsala 1932, S. 427 f.
4 So z. B. das beliebte und sehr verbreitete Volkslied: »Kristallen den
fina», dem zweifellos die Weise von »Ach Gott erhör mein Seufzen und
Wehklagen» zugrunde liegt. (Vgl. unten S. 135.) Ebenso geht das Seemannslied:
»Ja, ingen kan tänka» auf den Choral »Ich stund an einem Morgen» zurück.
(Vgl. unten S. 217.)
5 S. 123.
6 Die Volkstümlichkeit des lyrischen Liedes begann in Schweden erst
im 18. Jahrh. Diese späte Entwicklung erzeugte einen eigentümlich archaischen
Melodietypus (Kirchentonartliche Wendungen, reines Moll usw.), den wir
heute als »echt nordisch» empfinden.
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