Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - I. Einleitung - 2. Die Einführung der Reformation und des deutschen Kirchenliedes
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146 erich burger
Im Jahre 1695 erschien die erste Auflage, die zunächst nur die
Texte enthielt. 1697 folgte dann eine Ausgabe mit Noten. Eine grosse
Neuerung brachte die Einführung einer Orgelbegleitung in der Form
des basso continuo.1 Dadurch war eine Entwicklung beendet, die
mit der Anstellung der Hamburger Organisten in Schweden
begonnen hatte2 und eine Vereinfachung des Choralsatzes erstrebte, um
schliesslich den einstimmigen Chorgesang mit
Instrumentalbegleitung zu bevorzugen. Bisher hatte sich diese neue Richtung nur in
der Schulmusik durchsetzen können. Nun wurde sie offiziell von der
Kirche anerkannt und in den Gottesdienst übernommen. Indessen
dürfen wir die Bedeutung dieser ersten Orgelbegleitung nicht
überschätzen. Der bezifferte Bass zeigt schon, dass es sich um eine rein
akkordliche Stützung der Gesangstimme handelte. Eine
zeitgenössische Anweisung3 besagt ausdrücklich, man solle den Psalmgesang
der Gemeinde leise intonieren. Aus dieser völligen Unterordnung der
Orgel erklärt sich uns die Möglichkeit rhythmisch so lebhafte Weisen
für den Gemeindegesang zu verwenden, wie wir sie zuweilen in dem
Choralbuch von 1697 finden. Welch deutliche Verarmung zeigt
dagegen der isometrische Choral späterer Epochen mit »entwickelter»
verschiedener rhythmischer Werte, auch Verschleifungen durch kurze
Zwischennoten. Jedoch scheint uns dies weniger ein individuelles Verfahren als die
Berücksichtung einer allgemeinen Geschmacksrichtung, wie sie sich auch im
damaligen Volkslied geltend macht.
1 Bis dahin waren alle kirchlichen Melodiesammlungen nur einstimmig
notiert worden ohne Angabe irgend welcher Instrumentalbegleitung. Hingegen
ist wohl das »Diskantieren» weit verbreitet und lange beliebt gewesen. In einer
Kirchenordnung aus der Mitte des 17. Jahrh. (verfasst von dem Bischof
Laure-lius) heisst es, man möge hinfort eine Änderung der eigentlichen Melodien nicht
mehr gestatten »weder durch Senken odre Erhöhen der Stimme auf
Diskantweise, wie es ein Teil tut». (Vgl. Norlind: Sv. Mus. hist., S. 114.) Diese
Sangesart wurde durch die Einführung einer Orgelbegleitung nunmehr endgültig
verdrängt.—Vgl. hierzu eine andere Deutung des »Diskantierens» wie sie
Moberg in seiner Abhandlung »om flerstämmig musik i Sverige under medeltiden»,
S. 42, Anm. i. gibt. Hier wird das willkürliche »Senken und Erhöhen der
Stimme mit der Paraphrasierungslust der Morapsalme [siehe unten SS. 249 ff.]
in Verbindung gesetzt, eine Deutung die jetzt auch Norlind in Svensk
folkmusik och folkdans (serien Natur och Kultur nr 96, s. 74 f.) und nach ihm
H. Grüner Nielsen (Musikhist. Arkiv, Bind I, Hefte 2, s. 128 f.)
aufgenommen haben.
2 Norlind: »Lat. skol-sånger», S. 43, 44.
3 Norlind: Sv. Mus. hist., S. 115.
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