Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - II. Liedvergleiche
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i8o erich burger
45. »Wacht auf, ihr Christen alle»
Schwed.: »Waker up, i Christne alle»
(Dän.: »Vaager op i Christne alle»)
Quellen: Deutsch: Joach. Liest, Historien 1586, S. 222 (Z. 5372 b).
Schwed.: Mönst., fol. 90 (2 Fassungen); Rappe, fol. 22 (2 Fassungen);
Ridd., pag. 110; G. 213.
(Dän.: Thorn., fol. 350.)
Die älteste uns bekannte Quelle für den Text dieses Liedes ist
das niederdeutsche »Enchiridion Geistliker Liede und Psalmen»,
Lübeck 1545, Bl. CLX.1 Die Melodie geht wahrscheinlich auf eine ältere
niederländische Volksweise zurück, deren weltlicher Text uns
verloren ging.’2 Geistlich erscheint sie zuerst in den »Souter Liedekens»
(Antwerpen 1540) zum 68. Psalm »O God wilt my sal veren» und
trägt hier die Bezeichnung des Tons: »Waer is mijn alderliefste».3
In Deutschland findet sich die Melodie 1586 bei Joach. Liest
(»Historien . . .») aufgeführt. In dieser Fassung ist sie auch nach Schweden
übernommen worden. Sie wird hier in geradem und ungeradem Takt
notiert. Mönst.4 und Rappe haben beide Formen. Ridd. und G.
schreiben sie nur im 3-Takt.5
Ausserdem bestehen folgende kleine Abweichungen: In der 1.
Zeile füllt Rappe (2. Fassung) den 1. Terzschritt mit der
Zwischennote g. Für die 2. Zeile gilt durchweg Thorn.’s Schreibweise (b f g
abgab). Rappe (1. Fassung) schreibt nach dem Quartschritt eine
Terz durch Streichen der Durchgangsnote g. Die 3. Zeile weist einige
Varianten auf: Mönst. (1. Fassung) wiederholt zu Anfang viermal,
Rappe (1. Fassung) dreimal dieselbe Note b. Die übrigen beginnen
wie Thorn, mit der Sekundfortschreitung b a a. Ausser Mönst. (2.
Fassung) weichen alle in der Schlussformel von Liest ab, indem sie
abwärts bis zur Obersekunde g fortschreiten und mit dem
Quartsprung nach c schliessen, den Beginn der folgenden Zeile von Liest
vorausnehmend. Dafür wird jene ohne den Quartsprung mit der
Terzfolge a-f-a (genau nach Thorn.) notiert, wodurch auch die un-
1 Vgl. Kümmerle IV, S. 18.
2 Vgl. Wolfrum, S. 77. Böhme (S. 497) meint die Melodie müsse schon
vor 1540 in den Niederlanden bekannt gewesen sein.
3 Kümmerle, ebenda.
4 Mönst. notiert hier beide Male falsche Schlüssel, sonst stünde die Weise
in hypodorisch statt hypojonisch.
5 Thom. hat geraden Takt.
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