Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - II. Liedvergleiche
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deutsche kirchenmelodien in schweden
23 t
Von hier beginnt eine lange Traditionsreihe — zunächst weltlich,
dann auch geistlich (seit 15051) — wobei die Melodie zahlreichen
kleinen Änderungen unterworfen wurde.2 Als Choral finden wir sie
zuerst gedruckt im Eislebener G.B. 1598 in einer mehrstimmigen
Bearbeitung, 1627 zum ersten Mal mit beziffertem Bass in Scheins
Cantional. Der Ambitus hat hier gegenüber der weltlichen Melodie
eine Erweiterung (von der Sexte zur Oktave) erfahren, die von der
kirchlichen Tradition hinfort beibehalten wird. Ebenso auch die
rhythmische Vereinfachung der Schlusszeile.
In Schweden wird unser Lied in dreifacher Form und mit drei
verschiedenen Texten überliefert. Die älteste Fassung bringen Kalm. I
und Mönst. mit dem Text »O Gud, hwem skal jag klaga then . . ,»3
Die Tradition bezeichnet dieses Lied als »Erik XIV. Psalm». Da
Erik XIV. sehr musikinteressiert war4 und seine kompositorische
Begabung uns überliefert ist, meinten daher mehrere Forscher seine
Autorschaft für die Redaktion der Melodie, wie sie die Kalmarer
Handschr. zeigen, in Anspruch nehmen zu dürfen. Der auf das
tragische Schicksal des Königs auch sehr wohl passende Text bestärkte
diese Annahme.5 Indessen kann Erik XIV. auch nur in dieser
Hinsicht Anteil an unserem Liede haben, indem er den Text, wie er im
Ps.B. von 1530 steht, umarbeitete. Im übrigen fällt seine
Lebenszeit (1533—1578) vor das Eindringen unserer Melodie, die erst im
Anfang des 17. Jahrhunderts nach Schweden gekommen sein kann.6
Wenn v. Winterfeld gar vermutet, dass Erik XIV. die Forster’sche
anzunehmen, z. B. Rietsch, der die Melodie auf ein alpenländisches
Volkslied zurückführen will (vgl. Peters Jahrb. 1917, S. 19 ff.).
1 Vgl. Kümmerle II, S. 647.
2 Vgl. hierzu Ameln, Konrad: »Beiträge zur Geschichte der Melodien
’Innsbruck, ich muss dich lassen’ und ’Ach Gott von Himmel sieh darein’»
(Erfurter Fassung) Diss. Freib. i. Br. 1924.
3 Deutsch: »Ach Gott, wem soll ich klagen mein Angst ...» Der schwed.
Text erfuhr mehrere Veränderungen. Im Ps.B. v. 1530 war er 9-zeilig, in den
Handschr. und G. erscheint er 6-zeilig. Der deutsche (nur z. T.
übereinstimmende Text) ist 7- und 8-zeilig. Vgl. Z. 4337, 5383, 5392, 5394.
1 Vgl. Norlind: Sv. Mus.-Hist. 2. Aufl., S. 69 ff.
5 Diese Auffassung finden wir u. a. auch bei Winterfeld: »Z.Gesch. heil.
Tonkunst» (S. 186 ff.). Vgl. auch Liedgren (S. 165).
6 Dies bestätigt sich durch das Erscheinungsjahr der oben genannten
deutschen Quellen, des Eislebener G.B. v. 1598, dessen Fassung Kalm. ohne
Zweifel zu Grunde liegt.
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