Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - II. Liedvergleiche
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deutsche kirchenmelodien in schweden
23 t
kleine Sexte f zu erreichen, die Crüger erst in der letzten Zeile bringt.
Hier vermeidet G. abermals den Einsatz auf dem höchsten Ton und
wiederholt die Anfangswendung der vorhergehenden Zeile c-d-e.
Daran schliesst sich, die diatonische Abwärtsbewegung Crügers
unterbrechend, der Quintsprung e-a, wodurch die Tonika vorweg
genommen wird. Die Schlussformel, die eine Quarte höher auf der
Unterdominante einsetzt, lehnt sich wieder an Crüger an. Die
vorletzte Note b, die G. nur einmal setzt, wird hier durch Punktierung
mit der Schlusstonika verschleift. In der rhythmischen Notierung
weicht G. darin von Crüger ab, dass nur die Schlussnoten jeder Zeile
doppelte Länge erhalten und im übrigen durchweg in Vierteln
notiert sind.1
76. »Herzlich tut mich verlangen»
Schwed.: »Jag längtar af alt hjerta» und »Rätt hjertelig jag längtar»
Quellen: Deutsch: »Harmoniae sacrae» Görlitz 1613 (Z. 5385 a).
Schwed.: G. 393 und G. 394.
Das durch den späteren Text Paul Gerhardts (»0 Haupt voll
Blut und Wunden») und die Bach’schen Tonsätze überall bekannt
gewordene Lied geht auf eine weltliche Komposition Hans Leo
Hasslers zurück, die 1601 in seinem »Lustgarten Neuer Teutscher
Gesang . . .» erschien: »Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein
Jungfrau zart». Diese wurde augenscheinlich sehr rasch bekannt und
beliebt, da sie schon 1613 in einem Schulgesangbuch des Görlitzer
Gymnasiums mit dem geistlichen Text des Christoph Knoll
»Herzlich tut mich verlangen» verbunden wurde.2 In der Folgezeit erhielt
sie noch eine Reihe von Texten, ein Zeichen, dass das Lied auch im
geistlichen Gewände überall Anklang fand.
In Schweden findet es sich in zwei Formen in G. 393 und G. 394.
Die erste Fassung zeigt eine genaue Wiedergabe der Melodie in der
Schreibweise Crügers3, jedoch mit einer freien Übertragung des
Textes. Die zweite schliesst sich textlich genau an die deutsche Vorlage
an, bringt aber eine Variierung der Weise. U. a. erhält diese, eine
dem Tanz verwandte, rhythmische Neugestaltung durch zahlreiche
1 Über den in der Notenbeilage zitierten Mora-Psalm vgl. unten S. 249 ff.
2 Vgl. Kümmerle I, S. 585.
3 Ausgenommen die Schlussformel, die bei G. mit Punktierung der ersten
Note aga heisst, während Crüger wir Görlitz g g a schreibt.
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