Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - IV. Ergebnisse der Vergleiche - 3. Zusammenhänge und Unterschiede in der Entwicklung des schwedischen und deutschen Kirchenliedes im 16. u. 17. Jahrhundert
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deutsche kirchenmelodien in schweden
243
Unregelmässigkeiten in den musikalischen Perioden werden
ausgeglichen zu Gunsten einer einheitlichen Strophenbildung:
Deutsch:
No. 12 (7. Zeile)
Dieses Bestreben nach strengerer formaler Geschossenheit macht sich
auch in Deutschland im 16. Jahrhundert überall bemerkbar.
Die auffälligste Erscheinung, die wir nicht auf die ältere
katholische Kirchenmusik zurückführen können, ist die häufige Verwendung
des 3-Taktes.1 Dieser ist in Schweden abweichend von der deutschen
Überlieferung bei über 20 Melodien eingeführt worden.2
Augenscheinlich liegen hier volkstümliche Einflüsse vor, die wohl von dem damals
ausserordentlich beliebten Polska ausgingen.3 Parallelen hierzu
finden wir in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert, wo das weltliche
Lied lyrischen Charakters häufig Tanzlied wurde durch die
Übertragung des rhythmischen Schemas. In Schweden war dies umso leichter
möglich, als zu jener Zeit der fahrende Spielmann der eigentliche
Träger der Musikkultur auf dem Lande war und sicherlich über ein
geistliches, wie weltliches Repertoire verfügte. Dadurch mag die
strenge Symmetrie der Tanzweise, wie sie in einem einheitlich
durchgehaltenen Rhythmus zum Ausdruck kommt, auch mehrfach auf die
Kirchenlieder übertragen worden sein. Indessen hat das Aufzwingen
eines Schemas wie das des 3/4, bezw. 3/2 Taktes notwendig eine
Verarmung der Melodie und einen Verfall ihrer eigenen rhythmischen
Kraft zur Folge und muss darum immer als Zeichen starker Zersingung
angesehen werden.4
1 Zwar werden auch die Melodien lateinischer Hymnen zuweilen im
3-Takt notiert, z. B.: »Veni redemptor gentium» in G. 121 (»Werldens frälsare
kom här»), doch stammt solche Schreibweise durchweg aus späterer Zeit.
2 Vgl. No. 3, 9, 10, 15, 17, 19, 20, 21, 23, 26, 32, 33, 45, 48, 53, 61, 63, 71,
74, 80, 110, 118.
3 Vgl. oben S. 124.
4 Vgl. als Parallele die künstlich eingeführte Isometrie in den heutigen
Kirchenmelodien!
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