Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - V. Schluss
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deutsche kirchenmelodien in schweden
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alle Aufzeichnungen und Drucke der oben behandelten Choräle aus
den südlichen Provinzen1, da die Kenntnis der Notenschrift und mit
ihnen die neuen Kirchenlieder nur sehr langsam nach Norden
vordrangen.
Dies gibt uns auch eine Erklärung für die Entstehung der
Mora-Psalme. Die neuen protestantischen Melodien gelangten vermutlich
nur auf dem unsicheren Weg mündlicher Überlieferung in die
nördlicheren Teile des Landes, wo man sich bei dem Mangel an
Choralbüchern nicht an eine bestimmte Fassung gebunden fühlte. So lag
es nur nahe, den bisher gewohnten, gregorianischen Melodietypus
auf die deutschen Weisen zu übertragen. Damit geschah eine
eigentümliche Umkehr der allgemeinen Entwicklung des geistlichen Liedes,
das sonst bei »immer markanterem Hervortreten der
architektonischen Profilation, ganz in die vier- und achttaktige, symmetrische
Konstruktion»2 aufging. Hier dagegen verlor das Metrum des
Textes jede Einwirkung auf den Verlauf der Melodie. Ja, diese scheint
bei oberflächlicher Betrachtung sich völlig zu Gunsten einer rein
musikalischen Ausschmückung emanzipiert zu haben. Und doch
blieb trotzdem, oder vielmehr gerade dadurch, ein innerer
Zusammenhang bestehen. Denn die melismatische Zerdehnung musste dem
nordischen, vorzugsweise epischen Empfinden besonders
entsprechen. So liegt auch die Eigenart der Mora-Lieder in einer
langsameren aber tieferen Denkbewegung, die sich schrittweise von Wort
zu Wort fortspinnt, den innersten Gehalt eines jeden erschöpfend.
Mehr als in aller kirchlichen Tradition sind hier die protestantischen
Melodien wahrhaft nationales Gut geworden!
Im ganzen gesehen ergibt sich durch das Bestehen so völlig
heterogener Stilelemente ein eigentümliches Nebeneinander in der
Geschichte der schwedischen Musik.3 Wir betonten schon eingangs
die verschiedene Entwicklung bei den einzelnen Ständen, des Adels,
der Kirche, der Städte und des Landvolks.4 Nach der Reformation
verwischten sich diese Unterschiede zu gunsten stärkerer
landschaftangeführten Melodien. Der Smålandpsalm und das weltliche Volkslied wurden
in Südschweden aufgezeichnet. Die Mora-Psalme dagegen gehören dem
nördlicher gelegenen Dalarne an.
1 U. a. die grossen Handschriften Kalm. I und II (Mönst.), die uns die
Singart des Stiftskreises Kalm. (an der Südostküste Schwedens) übermitteln.
2 Lach, S. 292. 3 Vgl. S. 120. 4 Vgl. oben S. 120 ff.
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