- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Trettioandra årgången, 1932 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - V. Schluss

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erich burger

führte Orgelbegleitung jene Epoche ein, die die lebendigen
Volksmelodien in starre Formen presste. Da jedoch bis ins 19. Jahrhundert
nur wenige Kirchen — abgesehen von den grösseren Städten — eine
Orgel erhielten, bewahrte der Gemeindegesang noch lange seinen
rhythmisch freien Charakter. Die nach deutschem Vorbild
durchgeführte »Reform» J. Chr. Fr. Häffners erscheint darum wie eine
Gewaltmassregel, die vom liturgischen Standpunkt aus vielleicht
verstanden werden kann, jedoch für die Weiterentwicklung der
schwedischen Kirchenmelodien unbedingt bedauerlich war. —

Fassen wir noch einmal die choralmelodische Entwicklung in
Schweden zusammen, wie sie sich uns im 16. und 17. Jahrhundert
darstellt, so ergeben sich dafür folgende Merkmale:

1. Streben nach Symmetrie und Geschlossenheit der
musikalischen Form.

2. Zunehmende Auflösung der melodischen Linie und
Brechung der charakteristischen Intervalle.

3. Starke rhythmische Belebung bei gleichzeitiger
Typisierung durch Aufheben aller besonderen Akzente (Synkopen,
Taktwechsel etc.).

4. Immer stärker werdende Selbständigkeit des
Musikalischen gegenüber dem Wort. Bei unverändertem Text zunehmende
Umbildung der Melodie nach dem Geschmack der Zeit, gegen Ende
des 17. Jahrhunderts besonders beeinflusst durch den Tanz, den
Chanson und die Kunstmusik.

5. Mit der Einführung der Orgel ein allmähliches Zurückgehen
des linearen Empfindens und damit der Kirchentonarten.
Gleichzeitig stärkeres Hervortreten von Dur und Moll, die häufig
kontrastierend verwandt werden.

Diese Tendenzen der musikalischen Entwicklung sind in
Deutschland fast ebenso festzustellen.1 Indessen treten sie in Schweden,
abgesehen von der oben erwähnten zeitlichen Differenz2, nicht in
einheitlicher Weise auf. Wir müssen berücksichtigen, dass ein so
ausgedehntes Land mit einer überaus dünnen Bevölkerung keine
durchgängigen kulturellen Strömungen erfährt. Naturgemäss war der
deutsche Einfluss in Südschweden stets stärker und unmittelbarer als
in den nördlicheren Gegenden.3 Aus dem gleichen Grunde stammen

1 Vgl. Gehlhoff, § 51 ff. 2 Vgl. S. 239.

3 Ein gutes Beispiel hierfür geben die unter No. 71 in der Notenbeilage

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