- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Fyrtionde årgången, 1940 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - II. Granskningar och anmälningar - Joseph Lortz, Die Reformation in Deutschland, I—II (Professor H. v. Campenhausen)

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299 granskningar och anmälningar



Zersetzung nimmt doch unbestreitbar zu, und gerade in Deutschland
hat die allgemeine Opposition gegen »Rom» einen Grad erreicht, dass
sie nur noch auf den Mann zu warten scheint, der sie in Revolution
wandelt. Es ist hier also endgültig mit der falschen Betrachtungsweise im
Stile Janssens gebrochen, wonach das 15. Jahrhundert eine hohe Blüte
des kirchlich-kultürlichen Lebens gebracht haben soll, die nur durch
die Reformation geknickt worden sei. Lortz verschweigt auch in keiner
Weise die Fehler und die Schuld, die der Kurie an diesen Zuständen zur
Last fällt, auch wenn er auf eine Ausbreitung der ganzen vatikanischen
chronique scandaleuse verzichtet.

Vor allem bedeutsam ist die neue Einschätzung, die jetzt der
Humanismus als religiöse Bewegung erfährt. Er erscheint bei Lortz
nämlich nicht mehr in der Rolle des guten, wenn auch ein wenig ungezogenen
Sohnes der katholischen Kirche und Kultur im Gegensatz zur bösen
Reformation, sondern das Verhältnis ist beinahe umgekehrt. Der
Humanismus gilt — natürlich nicht in allen Vertretern, aber doch seiner
vorwiegenden religiösen Tendenz nach — als die grösste, von der Kirche
viel zu leicht genommene Bedrohung ihrer religiösen Substanz. »Es
steigt herauf die Gefahr des Relativismus auf dem ethischen wie auf
dem dogmatischen Gebiet», und damit erscheint »der eigentliche
Krebsschaden, der eigentliche Auflösungsfaktor der Neuzeit» (I, 126). Diese
Beurteilung wird gerade auch auf Erasmus ausgedehnt und auf seine
»kraftlose und unsympathische und dazu ausserordentlich gefährliche
Haltung». Sein Kennzeichen ist: »das Unentschiedene. Er steht immer
in irgendeinem Zwielicht.» Luther dagegen ist ihm gegenüber vielmehr
der Vertreter eines echten religiösen Ernstes, eines christlichen Ernstes —
auch wenn er in die Irre geht. Die geistesgeschichtlichen Wurzeln der
modernen Entkirchlichung und Entchristlichung werden von Lortz
also nicht mehr in der üblichen katholischen Weise ausschlisslich auf
die Reformation zurückgefährt. Damit ist deren weltgeschichtliche
Schätzung und Einordnung in einer richtigeren Weise möglich geworden
als bisher.

Nicht geringer ist der Fortschritt in der Auffassung von Luther
selbst. Es steht für Lortz fest, dass sein Lebenskampf ein religiöser
Kampf gewesen ist und nichts als dies. Jede persönliche Verdächtigung
seiner Motive und seines Privatlebens unterbleibt, mögen auch gewisse
Schwächen, besonders Luthers masslosen »Grobianismus», nicht
übergangen werden. Luther ist ein »Urphänomen schöpferischer Eigenart
und Kraft», ein Mann, der sich im Ringen um Gott und sein Heil ganz
eingesetzt hat — »ohne selbstsüchtige Nebenabsichten» — und seine
»Erkenntnisse, Bekenntnisse und Lebensformung erkämpft hat durch
die Gefahr des Untergangs hindurch». Darauf beruht das Geheimnis
seiner Wirkung. Und wenn Luther in eine »falsche Einseitigkeit»
geraten ist, so war es die Einseitigkeit des ȟbertriebenen Ernstes und
innerer Gewalt, nicht von Leichtfertigkeit». Ja, noch mehr: es wird auch
dogmatisch zugegeben, dass Luther im Gegensatz zur Veräusserlichung

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