- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Fyrtiofemte årgången, 1945 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Hans-Joachim Schoeps, »Rabbi» Johan Kemper in Uppsala

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»rabbi» johan kemper in uppsala

i47

Betrüger fertigbringt. Auch nicht die Tatsache, dass in seinen
reli-gionsphilosophischen Spekulationen die Trinität vorkommt, hat die
Juden so aufgeregt, wie der biedere Norrelius meint, sondern etwas
ganz anderes: Nämlich dass mit der zweiten Person der Gottheit
Sabbatai Zewi von ihm gemeint war. Und das erregte die aus dem
sabbatianischen Taumel aufgewachte Judenheit nunmehr — fast 40
Jahre nach Sabbatais Tod — bis auf das Blut. Das hat Norrelius
nicht ahnen können, denn Chajjun sagt das an keiner Stelle seines
Werkes explizit. Und in seinen Streitschriften hat er sogar seinen
Zusammenhang mit den Sabbatianern abzuleugnen versucht.

Aber Chajjun ist entlarvt worden — und gerade hinsichtlich der
Angaben, die er über seine Herkunft gemacht hat. Es war ganz
richtig, dass Chajjun ein »Meschullach» (Sendbote) aus Jerusalem
gewesen ist. Nur hatte er verschwiegen, wer ihn ausgesandt: Offenbar
waren es nämlich die Überreste der Jehuda-Chassid-Chajim
Malachgruppe gewesen, die in der Diaspora Almosen einsammeln wollten,
um ihre Existenz zu fristen. Chajjun ist natürlich Sabbatianer
gewesen, und er stammte auch nicht aus Palästina (Safed), wie er angab,
sondern aus Bosna-Serai (Serajewo). Und nun wollte es sein Pech,
dass der greise askenasische Oberrabbiner von Amsterdam Zebi bar
Jakob — Vater des berühmten Rabbi Jakob Emden — um 1690
Chacham in Bosna-Serai gewesen war und von dort her Chajjuns
Vergangenheit natürlich genau kannte. Chacham Zebi ging nun Chajjuns
Schriften durch und fand hinter den mystischen Nebeln, in die alles
Anstössige eingehüllt war, lauter sabbatianische Ketzereien. — Zum
Zentrum der literarischen Wirksamkeit gegen Chajjun wurde
London. Dort schrieb hebräisch wie spanisch der Londoner Chief rabbi
David Nieto 1715 sein n~i ffiS, zwei — fingierte — Dialoge gegen
Chajjuns Werk, das er 2 Tibi (Greuel) f"lp nennt.1 Ferner schrieben dort
Naftali Kohen und Moses Chagis, letzterer gleich drei Schriften, deren
eine mit dem Titel DV®16 "QW (1714) Chajjun, Cardozo und Ayllon
gleich auf dem Titelblatt StrrøT©" fcWbp = die drei Verhängnisse
nennt. Schliesslich edierte Chagis dort das für den Fortgang des
Streites wichtigste Werk des lurjanischen Kabbalisten Joseph Ergas,
Rabbiner in Leghorn (Livorno), der sich auf eine mündliche Dispu-

1 Vgl. J. Solomons, David Nieto and some of his Contemporaries.
—Trans-actions of the Jewish Historical Society of England, Vol. XII, London 1931,
29 ff.

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