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— 4 —
Gelehrte gesehen hätte, suchte vergebens ihrem Hange
eine andere Richtung zu geben. Die angeborene Neigung
ließ sich weder unterdrücken, noch ändern, und das
lernbegierige Mädchen setzte ohne Unterbrechung ihre
Studien fort, wenn sie gleich genöthigt war, dieselben
vor den Augen ihrer Mutter und ihrer Lehrerin geheim
zu halten.
So floß die Zeit hin, bis sie ihr dreizehntes Jahr
vollendet hatte. Ihr Vater zog sich damals auf das
Land zurück, um nach einem Leben voll angestrengter
Geschäftsthätigkeit der Ruhe zu genießen, und gab
dadurch der Tochter Gelegenheit, noch ungestörter ihren
Studien obzuliegen. Begünstigt pon dieser Freiheit und
angeregt durch die Schönheiten der sie umgebenden Natur,
brach hier ihre dichterische Ader hervor, und Hedwig
gab ihren überschwenglichen Gefühlen ersten Ausdruck
in religiös-schwärmerischen Liedern. Ihre bisherige
Lektüre befriedigte ihre immer mehr zunehmende
Wißbegierde nicht länger. Sie forschte nach dem letzten
Zwecke und dem Zusammenhange aller Dinge und suchte
den Schlüssel dazu theils in theologisch-mystischen, theils
in philosophischen Schriften. Allein an Stelle der
Wahrheit, nach der sie suchte, glaubte sie Nichts als
Aberglauben zu finden, und es wurde dadurch in ihr
religiöse Grübelei und Zweifelsucht erweckt.
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Project Runeberg, Sun Jun 21 15:29:32 2026
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