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— 5 —
In dieser Gemüthsstimmung befand sie sich, als
in ihr elterliches Haus ein junger Mann, Namens
Johann Tideman, ein Techniker, eintrat, und dort,
durch Amtsgeschäfte gefesselt, eine Zeitlang verweilte.
Die junge Zweiflerin erhielt Gelegenheit zu täglichem
Gespräche mit ihm, das für sie um so anziehender und
lehrreicher ward, als Tideman eine
wissenschaftlich-philosophische Ausbildung mit festen religiösen Anschauungen
verband. Ihm eröffnete sie, was sie so sehr beunruhigte,
und wünschte von ihm Aufklärung zu erhalten. Er kam
diesem Wunsche mit Bereitwilligkeit entgegen, und wurde
auf diese Weise bald ihr Mentor« und ihr Orakel.
Denn was ein so gebildeter Mann sagte, konnte nach
ihrer Meinung nichts Anderes sein, als die Wahrheit.
Tideman lenkte ihren Geist auf die Naturwissenschaften,
gab ihr die dazu nothwendigen Bücher, und erklärte ihr,
was ihr dabei zweifelhaft blieb. Auf diese Art verscheuchte
er allmählich ihre skeptischen Grillen und zog sie von der
Klippe des Zweifels zurück. Seine gelehrten
Unterhaltungen waren ihr lieber, als alle sonstigen Beschäftigungen
und alle Vergnügungen der Jugend: sein reiner Wandel
und sein wohlwollendes Entgegenkommen flößte ihr zugleich
Vertrauen, Hochachtung und Dankbarkeit ein.
Zwei Jahre waren in dieser lehrreichen Zeit
verflossen, als ihr Vater, welcher lange schon an einer
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Project Runeberg, Sun Jun 21 15:29:32 2026
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