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98 J. L. Heiberg:
Zimmern, wovon nur das kleinste als eigentliches
Bibliothekszimmer (mit Schränken und Büsten von Demosthenes, Epikur,
Zenon und Hermarchos) eingerichtet war. Sie lagen in den
Schränken in einem Stoff vulkanischen Ursprungs begraben, der
mit der Zeit zu einer harten Masse zusammengepresst war, aus
welcher die Rollen herausgehauen werden mussten. Es lässt sich
denken, dass man dabei nicht mit besonderer Zartheit verfuhr,
zumal da die Rollen, wie man sich noch heute im Museum von
Neapel an den noch unaufgerollten überzeugen kann, mehr als
allem anderen verkohltem Holze ähnlich sahen und anfangs
wirklich dafür gehalten wurden, bis ein Zufall, wie es scheint, an
einer zerbrochenen Rolle Buchstaben sichtbar werden liess. Es
hat sich, nebenbei bemerkt, herausgestellt, dass die Verkohlung
nicht durch Feuer oder Hitze herbeigeführt ist, sondern lediglich
durch die natürliche Veränderung des Pflanzenstoffs durch die
Zeit und den Druck der darauf lastenden Schuttmasse. Bine
genauere Betrachtung der erhaltenen Werke spricht sehr für die
(auch von Sudhaus S. XVI gebilligte) Hypothese Comparettis,
dass wir einen Theil der Bibliothek Philodems vor uns haben.
Vor der Hand ist es klar, dass die Sammlung das Rüstzeug
eines epikuräischen Philosophen darstellt; bis auf wenige Rollen
mathematischen Inhalts enthält sie nur epikuräische Philosophie
und eine (oder vielleicht ein paar) Schrift eines Gegners, deren
Besitz aus polemischen Gründen wichtig sein konnte. Nun ergiebt
es sich, dass Philodem Verfasser des weitaus grösseren Theils der
repräsentirten Schriften ist, und dass kein erhaltenes Fragment
auf eine spätere Zeit als die seinige hinweist. Hierzu kommt
noch der Umstand, dass mehrere der Schriften Philodems —
sonderbarer Weise auch Epikur περὶ φύσεως — in zwei oder
gar drei Exemplaren da sind, eine zuerst von Gomperz beobachtete
und verwerthete Thatsache, die doch sehr führ die genannte
Vermuthung ins Gewicht fällt. Weiter hat Comparetti sehr ansprechend
begründet, dass die Villa, wo die Bibliothek gefunden wurde, dem
bekannten Gegner Ciceros, L. Calpurnius Piso, angehört hat,
dessen Beziehungen zu Philodem Cicero or. in Pisonem 68 f. in
boshafter Weise schildert; er hat wohl also die Bibliothek
Philodems durch Kauf oder Erbschaft an sich gebracht.
1 Die wenigen lateinischen Rollen ausgenommen, die überhaupt
einen anderen Charakter zeigen als die griechischen und wahrscheinlich
von einem späteren Besitzer der Bibliothek in dieselbe einverleibt wurden.
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Project Runeberg, Tue Jun 16 13:58:03 2026
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