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102 J. L. Heiberg:
der von ihm mitgenommenen Copien gemachten Abschrift etwas
gelitten haben mochten, aber keine der beiden Reihen ist
durchgehends als die zuverlässigere zu betrachten; so bemerkt Sudhaus
p. X von den apographa Oxoniensia: modo meliorem modo
deteriorem textum! exhibent, plerumque autem pleniorem; beim
Pap. 1674 (II. Buch) ist das Neapler Exemplar «diligentius
confectum et melioris usus», während nach dem Oxforder «licet
omnino magis corruptum sit, multa tamen corriguntur et
explentur»; ähnliches gilt bei Pap. 1672, während bei Pap. 1015
«apographon Oxoniense et accuratius et uberius est».
Ist schon die recensio unter diesen Verhältnissen bedeutend
schwieriger, als wenn annähernd genaue Collationen eines in
gewöhnlicher Weise erhaltenen Werkes vorliegen, so unterliegt die
emendatio noch grösseren Schwierigkeiten. Es gilt nicht, wie
sonst, in einem im grossen und ganzen verständlichen
Zusammenhang einzelne Fehler zu entdecken und zu beseitigen, sondern vor
allen Dingen aus der fragmentirten Ueberlieferung und den oft
gräulich verunstalteten Wörtern den Sinn im groben auszumitteln
und dann die zahlreichen Lücken einigermassen dem Sinn und den
Buchstabenresten entsprechend auszufüllen. Wer den Versuch
macht, wird sich sofort überzeugen, dass der Weg sehr holprig
ist und sich fortwährend zwischen Grüften und Abgründen
hindurchschlängelt, auch nicht selten in ganz wüste Gegenden führt,
wo die einzelnen Bruchstücke als traurige Ueberreste einer
wohlgeordneten Pflanzung aus dem zerstörenden Lavastrom emporragen ;
als Beispiele solcher Verwüstung schlage man S. 126 ff. 142.,
282, 303 usw. bei Sudhaus nach; der gewöhnliche Weg der
Textkritik ist dagegen die reinste Chaussee. Bigentliche
Schreibfehler sind sehr selten. Es wird hiernach verständlich sein, dass
die Bearbeitung dieses Bodens nur langsam vorrücken kann und
um zu gedeihen zur Specialität gemacht werden muss. Der
Ertrag an lesbaren Texten ist denn auch bis jetzt im Verhältniss
zur Masse der Papyri nicht allzu gross. Von kleineren Beiträgen
zum Verständniss einzelner Stellen abgesehen, die in Zeitschriften
1 Es wäre an der Zeit, dass dieses Wort trotz seiner Unklassicität
sich endgültig in der Sprache der adnotatio critica einbürgerte, die ja
“doch lediglich praktischen Zwecken dient und gern auf Reinheit
verzichtet. Das Wort ist unentbehrlich, und es îst denn doch ein lästiger Zopf
es immer mit einem schüchternen «qui uocatur» begleiten zu müssen;
contextus ist um kein Haar «klassischer».
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Project Runeberg, Tue Jun 16 13:58:03 2026
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