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Nekyia. Beiträge zur Erklärung der neuentdeckten Petrusapokalypse
von Albrecht Dieterich. Leipzig 1893, Teubner. VI -+
238 Ss.
Die dunkeln, aber wie alle Uebergangszeiten sehr interessanten
und dazu besonders folgenschweren Jahrhunderte um den Anfang
unserer Zeitrechnung herum haben früher die Philologie wenig
beschäftigt; die Philologen mochten nicht von den Lichtgestalten des
classichen Griechenthums zu jenen Dunkelmännern herabsteigen,
auch scheuten sie sich wohl die streitbare und allmächtige
Theologie in ihren Cirkeln zu stören. Aber je mehr es der Philologie
Ernst wurde sich als historische Wissenschaft oder einfach als
Geschichte zu behaupten, desto klarer stellte es sich als
unmöglich heraus die Spectrumslinien der <«classischen» Zeit willkürlich
abzuschneiden. Diese Auffassung der Aufgabe der Philologie hat
nicht nur die von der Berliner Akademie ausgehende kritische
Bearbeitung der späten Aristotelescommentatoren und das
Wiederaufblühen der byzantinischen Studien veranlasst, sondern auch auf
dem theologischen Gebiete die Neuherausgabe der
Kirchenschriftsteller, der lateinischen durch die Wiener Akademie schon sehr
vorgeschritten, die der griechischen von der Berliner Akademie
eben erst in Angriff genommen, und die Bearbeitung der
Heiligenlegenden durch Usener und seine Schüler. Dieselbe Richtung hat
auch die Philologen darauf gebracht die Entwickelung des
Christenthums und sein Verhältniss zu und Abhängigkeit- von den
heidnisch-griechischen Voraussetzungen zu untersuchen. Auch hier
geht Usener mit seinen «Religionsgeschichtlichen Untersuchungen »
(I—II. Bonn 1889) voran. Und es ist gut, dass die Frage
einmal von philologischer Seite betrachtet wird. Die Theologen,
selbst solche, die historischen Sinn haben, werden immer geneigt
sein diese Vorgänge als etwas besonderes, für sich stehendes zu
betrachten, während der Philolog mehr auf das gemeinsame sehen
wird; Analogien werden ihm aus seinem Studienkreis nicht fehlen.
Die Gunst des Schicksals, welcher wir in den letzten Jahren so
viele Bereicherungen unseres Materials verdanken, hat denn auch
dies Gebiet reichlich bedacht. Erst! kommt auf einem
Papyrusfetzen aus Faijum ein Evangelienbruchstück — allerdings nur
7 Zeilen — zum Vorschein, das einen ursprünglicheren Text hat
als unsere Evangelien- (Usener Religionsgesch. Unters. 1 S. 94).
1 Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Auffindung
der διδαχή der 12 Apostel, eines wichtigen, lange verloren geglaubten
altchristlichen Schriftstücks (durch Bryennios 1888).
12*
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