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Cauer, Grundfragen der Homerkritik. 71
rung die Kämpfe des trojanischen Krieges gekämpft worden sind,
obgleich es ihm kaum gelingt überzeugend zu beweisen, dass der
ursprünglichen Sagenversion gemäss Ilios nicht genommen
worden ist.
Gleichfalls kann man nicht immer wagen ihm zu folgen,
wenn er sich der Schwierigkeiten zu entheben sucht, die sich
dieser Annahme in den Weg stellen. Eine solche Schwierigkeit
gewahrt der Verf. in der Benennung der Griechen, doch findet er
dieselbe bedeutungslos. Denn die Ζ“αναοί haben in dem historischen
Griechenland keinen Platz, die `Ayaoí haben in der Phthiotis
ihren Ursprung und die ᾿Αργεῖοι wohnen ursprünglich im
thessalischen Argos. Die Dichter haben diese Namen der besonderen
Völkerschaften später auf das ganze griechische Volk übertragen.
Agamemnon ist demnach ursprünglich ein Thessaler, ebenso Nestor
und Neleus. Die Beziehungen Agamemnons und Menelaos’ zu
Mykene und Lakedaimon sind sekundär. Aus diesem Allen geht
es hervor, dass der dorischen Wanderung der historische Grund
entzogen wird.
Ferner glaubt der Verf., dass die homerische Kultur jünger
als die mykenische sei, und dass wir in den homerischen Gesängen
einen unwillkürlichen Niederschlag einer in sich zausammenhängenden,
jahrhundertelangen Entwickelung haben, und wir können durch
kulturhistorische Betrachtung ältere und jüngere Stücke der
Dichtung bestimmen. Das Eisen, die Mitgift, das Verehren der
Götter in Tempeln gehören zu den späteren Teilen.
Ebenso können wir durch ungleiche religiöse und mythologische
Vorstellungen das Alter der Partieen bestimmen. Die Teile, in
welchen sich die Göttererscheinungen leicht aus dem
Zusammenhange lösen lassen oder in denen sich die Götter den Menschen
unsichtbar offenbaren, sind alten Datums.
Hierdurch haben wir aber keine sieheren Kriterien gewonnen,
denn Nichts ist so inconsequent als mythologische Vorstellungen,
und formartige Wendungen, die althergebrachte Sitten abspiegeln,
können nicht selten von jüngeren Dichtern wiedergegeben werden.
Nichts hindert übrigens daran, dass ältere Ansichten von jüngeren
Sängern aufgenommen werden. Der Verf. meint auch selbst
(s. 195), dass die homerischen Gesänge entstanden sind, als sich
ungleiche Kultur- und Religionsströmungen gegeneinander brachen.
Der Verf. äussert auch seinen Zweifel über die von
Lachmann eingeführte Metode, aus sachlichen Widersprüchen auf
ungleiche Verfasser zu schliessen. Gern gestehen wir ein, dass viel
Unfug und viel Übertreibung mit dieser Metode getrieben worden
ist, aber sie scheint nichtsdestoweniger noch unbesiegt zu bestehen.
Denn es finden sich doch offenbare Widersprüche, welche
unmüöglich einem Dichter zugeschrieben werden können.
Das Buch ist im Ganzen interessant und lehrreich und kann
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Project Runeberg, Tue Jun 16 17:54:52 2026
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