- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift for filologi (og pædagogik) / Tredie række : Sjette bind /
105

(1874-1922)
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Sophokles Elektra, erkl. von Kaibel. 105 sich nicht ungerechtfertigt, wie El. gerade eingestanden hat. Also heisst τοῦδε y οὕνεκα, wie gewöhnlich: so weit es darauf ankommt, d. h. wenn du nur das meinst; denn das betrachte ich als keinen Vorwurf. (Ganz ebenso steht τοῦδε γ᾽ οὕνεκα 387, worauf sich K. beruft; er hat es dort richtig erklärt.) Endlich 609 σχεδόν τι τὴν σὴν οὐ καταισχύνω φύσιν: «sind sie (die Eltern) schlecht, so ist das gutgerathene Kind ein Wunder, aber rein physisch macht es gleichfalls seiner Abstammung Unehre, da nach der Natur gute von guten, schlechte von schlechten abstammen müssen.» Das ist doch eine sonderbare philosophische Erwägung statt der einfachen Bemerkung, dass der Ausdruck von guten auf schlechte Eltern übertragen ist, indem man den Begriff «zu Schanden machen» vergass und nur die Vorstellung der Ähnlichkeit beibehielt («so schlage ich wenigstens nicht aus der Art meiner Mutter»). Es wäre gewiss ungerecht, die Erklärung dieser Scene als typisch für den ganzen Commentar zu nehmen. Aber für dessen Fehler scheint sie mir freilich typisch zu sein. Sie beruhen zunächst darauf, dass über die Einzelheiten zu viel nachgedacht ist. Es sieht so aus als ob der Satz aî δεύτεραι φροντίδες 00-φώτεραι für die Kaibelsche Erklärung überall massgebend gewesen sei. Er sollte das jedenfalls nicht sein. Es gibt Fälle, wo gerade der entgegengesetzte Grundsatz am Platze ist; wo es gilt, das erste, unmittelbare Verständnis unentwegt festzuhalten und, wenn nöthig, durch eindringende Prüfung zu unterbauen. Welches Verfahren vorzuziehen ist, das hängt natürlich zunächst von der Beschaffenheit der einzelnen Stelle ab; daneben kommt aber auch der Gesammtcharakter des Schriftstellers in Betracht. Dadurch erhält die Frage eine weiterreichende principielle Bedeutung. Die Schwierigkeiten der Tragikerinterpretation beruhen in erster Reihe gar nicht darauf, dass diese Dichter besonders tiefsinnig gewesen sind und ihre Stücke mit feinster Berechnung geschrieben haben. Es war dies sowol durch ihr eigenes Wesen wie durch die Bedingungen der Kunstart ausgeschlossen. Die Tragödie war auf den Augenblick und die Masse berechnet. Sie zeichnet deshalb mit grossen, festen Zügen, die von weither deutlich zu erkennen sind, und kümmert sich meist nicht um die feinere Nuancirung des Bildes; und sie spricht, was gemeint ist, offen und deutlich aus, und vermeidet durchgängig Andeutungen und feine Beziehungen. Darum hat das unmittelbare Verständnis meist Recht, wo es überhaupt möglich ist. Natürlich ist es nicht immer möglich; aber das liegt meist an ganz andern Dingen: an dem grossen conventionellen Apparat, den die Tragödie mitschleppt, und der sich sowohl im Inhalt wie in der Form geltend macht; und vor allem daran, dass die Leute anders denken und empfinden als wir Modernen. Anders, und meist einfacher; aber das macht die Sache gar nicht leichter. So bleiben Schwierigkeiten genug

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