- Project Runeberg -  Die person Muhammeds in lehre und glauben seiner gemeinde /
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(1917) [MARC] Author: Tor Andræ
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - V. Die person des propheten und die frömmigkeit

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Andrae, Die person Miiharnmeds



gemeinde. »Ich verzeihe ihnen», antwortete der Herr, «wegen (min)
meiner einheit und deiner Wahrhaftigkeit.»1 In dieser frage stimmt
der islamische traditionalismus wieder mit dem Talmud überein.
Wir erinnern uns, dass Muhammed im Koran die juden heftig
angreift, weil sie meinen, dass das feuer sie »nur gezählte tage»
berühren werde. Er zielt auf die bekannte lehre des späteren
Judentums, dass die nicht-gerechten israeliten nur während zwölf
monate eine busstrafe in dem höllenfeuer erleiden müssen. Nur
die erzbösewichter, die volksverführer, wie Jerobeam, der söhn
Nebats, werden ewig darin verweilen. Dieselbe anschauung ist
bekanntlich auch im Islam heimisch geworden. Die sünder
werden zwar in die hölle geführt, aber jeder, »in dessen herz ein
senfkorn von glauben ist», wird daraus geführt, nachdem er schon
schwarzgebrannt wie eine kohle geworden ist.2 Es fehlen aber
im Talmud nicht stimmen, die auch diesen letzten rest strafender
gerechtigkeit zu hart finden, wo es die söhne Abrahams gilt: es wird
überhaupt kein beschnittener in Gehinnom kommen (Lecha 20 a),
hat er in seinem irdischen leben götzendienst getrieben, wird
er nur dann rettungslos verloren sein, wenn er seine vorhaut
aufgezogen und also seine Zugehörigkeit zu Israel aufgegeben hat
(Erubin 79 a).3 Das entspricht ganz der muslimischen aussage,
dass Gott jeden, der lä ’iläh 5illä-lläh sagt, »vor dem höllenfeuer
schützen werde». Dies habe Muhammed einzelne von seinen
genossen gelehrt, ihnen aber verboten es zu verbreiten, damit »die
menschen sich nicht darauf verlassen möchten», und so in offenen
libertinismus verfallen. Deshalb haben die gewährsmänner es
erst auf ihrem Sterbebett mitgeteilt.4 Ein solcher laxismus ist
der natürliche begleiter der gesetzlichkeit. Das ist die
ant-wort auf den schroffen rigorismus der härigiten und die
pietistische ängstlichkeit der zulihäd. Überall wo das jenseitige
schicksal an werken und Wiedervergeltung hängt, sieht sich das
beängstigte herz nach den greifbaren mittein der Seligkeit um.
Vor der grenzenlosen last, die die gesetzlich keit dem
einzelnen aufbürdet, flüchtet er in die sichtbare heilsanstalt. Was für
die katholiken die kirche und die sakramentengemeinschaft, für
das judentum die Zugehörigkeit zu dem erwählten volke — in

1 Al-Näzili, Hazinat-aVasrär 81.

2 Muslim I, 67r

3 Weber, Jüdische theologie 342, 352.

4 Buhäri, Kit. aVilm, bäb 49, al-Tirmüli II, 106.

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