Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 5. Tierische Fette und Phosphatide - 2. Phosphatide
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232 Fünftes Kapitel.
Physiolo-
gische Be-
deutung.
Eigeu-
schaften.
Eigen-
schaften.
ausser im Rückenmark, Gehirn und Ei, Lezitliine (Phosphatide) reichlich ver-
kommen in Knochenmark, Nebennieren, Plerz und Lungen, dass aber die Mengen
bei verschiedenen Tierarten recht verschieden sind. So fand z. B. Nerking
beim Igel im Knochenmark 417 und in den Nebennieren 212,3 p. m. Lezithin,
auf lebendes Organ berechnet, während die entsprechenden Werte beim Kaninchen
27,1, bezw. 23,9 p. m. waren. Derartige Bestimmungen haben ferner gezeigt,
dass die Menge des Lezithins besonders bei Neugeborenen reichlich ist und dass
die Phosphatide allem Anscheine nach für die Entwickelung von grosser Be-
deutung sind. Die Neugeborenen bringen gewissermassen mit zur Welt einen
Vorrat an Phosphatiden, welcher während des Zuwachses stetig abnimmt.
Dass diese Lezithine von hoher Bedeutung für die Entwickelung und
das Wachstum der lebenden Organismen wie für die bioplastischen Vorgänge
überhaupt sind, geht in der Tat auch aus mehreren Beobachtungen hervor^),
nnd in den Lezithinen ,
bezw, den Phosphatiden überhaupt ,
hat man zweifels-
ohne ein sehr wichtiges Material für den Aufbau der komplizierten phosphor-
haltigen Nukleinsubstanzen der Zelle und des Zellkernes. Für ihre grosse Be-
deutung spricht sowohl ihr verbreitetes Vorkommen wie der Umstand, dass sie
primäre Zellbestandteile sind.
Die Angaben über die Eigenschaften der Lezithine beziehen sich meistens
auf das Lezithin des Hühnereies, welches man seit Hoppe-Seyler und Diakorow,
allerdings ohne gana überzeugende Gründe, als Distearyllezithin aufgefasst hat.
Im wesentlichen stimmen andere Lezithinpräparate mit ihm überein, und etwaige
Unterschiede zwischen verschiedenen Lezithinen können sehr wohl von Zer-
setzungsprodukten oder Beimengung von anderen Phosphatiden herrühren. Ob
das sogenannte Distearyllezithin einen reinen einheitlichen Körper darsteUt, ist
übrigens sehr fraglich.
Durch starke Abkühlung seiner konzentrierten Lösung in starkem Alkohol
kann das Lezithin in Körnchen oder warzigen Massen von kleinen Kristall-
blättchen gewonnen werden. In festem Zustande stellt es sonst eine wachs-
ähnliche, knetbare, nach dem Trocknen im Vakuum pulverisierbare Masse dar,
welche in Alkohol, besonders beim Erwärmen (auf 40 bis 50*^ C) sich löst und
welche auch von Äther gelöst wird. Das Lezithin wird auch von Chloroform,
Schwefelkohlenstoff, Benzol und fetten Ölen gelöst. Die Lösung ,der Lezithine
aus Eigelb ist nach UlpianiÖ rechtsdrehend. P. MayerÖ behauptet, aus ge-
wöhnlichem Lezithin razemisches und aus diesem (durch Spaltung mit Lipase)
1-Lezithin dargestellt zu haben. Da er aber nicht mit reinem Lezithin gearbeitet
hat, ist es schwer, seine Resultate zu beurteilen. Von Azeton wird das Lezithin,
wenn auch nicht vollständig, aus seiner Lösung in Äther-Alkohol oder Chloro-
1) Vcrgl. Stoklasa, Ber. d. d. chem. Gesellseh. 29, Wien. Sitz.-Ber. 104, Zeitschr.
f. physiol. Chem. 25; W. Danilewsky, Compt. Eend. 121 u. 123 und W. Koch, Zeitschr. i
f. physiol. Chem. 37; P. Kyes ebenda 41 in Berlin, klin. Wochenschr. 1904.
2) Chem. Zentralhl. 1901 2, S. 30 u. 193.
*) Bioch. Zeitsehr. 1.
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