Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - I. Mose. Der Gründer Israels - 2
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— 90 —
Josua, diese Worte waren mehr als Gesetze. Gesetze
hat es vor dem Sinai gegeben. Doch am Sinai empfingen
wir Gebote des Herzens, den Willen zum Guten. Dort ver-
nahmen wir D’warim, Worte, Gottesworte: schaffende,
bauende, lebenbewegende Worte, die uns über uns selbst
hinaus heben sollten. Für alle Zeiten wurden mit diesen
Sinaiworten unsichtbare Lebensmächte in unsere Herzen
gepflanzt, tragende Säulen unseres Daseins: RECHT, |
GÜTE, und hoch über allem — HEILIGKEIT. Mit
dem Worte „ga“, „NICHT“, das vom Sinai erdröhnte
und das bis ans Ende der ’Tage in den Ohren der
Menschen nachhallen wird — wurde das ewige Recht
in uns gepflanzt, die unerbittliche, unüberschreitbare
Grenze für unser Tun und Wollen. Doch neben dem
Recht erwuchs die Güte des Herzens, die schenkende
Liebe. Es kam zu uns harten, grausamen Men-
schen der himmlische Ruf: „W’OHAWTO L’REACHO
KOMOCHO — LIEBE DEINEN MITMENSCHEN
WIE DICH!“ Der Gott, von dem dieser Ruf kam, war
kein strenger und ferner Gesetzgeber, der blinden Ge-
horsam fordert. Unser Vater sprach zu uns Kindern und
weckte uns zu gütiger, opferbereiter Liebe. Nein, Josua,
nicht ein vergängliches Gesetz ward am Sinai gestiftet!
Was sind Gesetze? Kleine, flackernde Ölflammen, die
ein Windhauch ausblasen kann. Doch am Sinai ward
in den Seelen entzündet ein Ner-Tamid, ein Licht der
Ewigkeit. Hoch über allem, was in die steinernen Tafeln
eingegraben wurde, hoch über allen Gesetzen und Ver-
ordnungen, die in der Wüste gestiftet worden sind, steht
das eine allumfassende Wort, das Wort der Worte:
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