Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - V. Hesekiel. Der Prophet als Seelsorger - 1
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— 19 —
ten das machtlose Juda in ein hoffnungsloses Intrigen-
spiel zwischen Babylonien und Ägypten hineingezerrt.
Man beugte das Knie vor dem aufgehenden Sterne
Babel, doch zu gleicher Zeit stand man im heimlichen
Bunde mit dem zum Tode verurteilten Ägypten. Dieses
Hinken auf beiden Seiten war unmoralisch und unpoli-
tisch zugleich. Vergeblich erhoben ihre warnenden
Stimmen Jeremia in Jerusalem und Hesekiel in Baby-
lonien.
Ein neuer Mann betritt den Schauplatz der Welt-
geschichte, um den Willen Gottes zu vollziehen. Nebu-
kadnezar wird das Werkzeug, mit welchem der Herr das
widerspenstige Israel züchtigt. In einer mehr als vierzig-
jährigen Regierungszeit (604—562) hatte er das von
seinem Vater Nabopolassar geschaffene neubabylonische
Weltreich befestigt und erweitert. Er war einer der
Großen der alten Zeit; Feldherr, Staatsmann und Or-
ganisator, ein Neuschöpfer von größtem Format, eine
reiche Natur, stark und weitsichtig, auch als Charakter
respekteinflößend, durchaus nicht der grausame Ge-
waltmensch, als welcher er in der traditionellen Vorstel-
lung lebt. Mit seinen starken Armen faßt er die Säulen
der Welt, und das morschgewordene Gebäude stürzt zu-
sammen. Das mächtige Assyrien fällt auseinander, Ägyp-
ten wird lahmgelegt und der unbedeutende Vasallen-
staat Babylonien wächst zur herrschenden Weltmacht
empor. „Ein goldener Kelch in des Herrn Hand ist
Babel, und er berauscht die ganze Erde“ — heißt es im
Buche Jeremia. Das Licht Nebukadnezars strahlt über
der Erde. Die Hauptstadt Babylon erblüht voller Glanz
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