Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - VI. Deutero-Jesaja. Der leidende Gottesknecht - 5
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— 202 —
Die Totenklage für Babel klang in den Ohren der
Männer der Gola wie eine Botschaft von einem neuen
Leben in Freiheit und Frieden. Ihre Gesichter waren
wie verklärt vor dem großen Wunder, das ihnen geschah.
Seit der Zeit Hesekiels war der Glaube an Gott in den
Herzen der Gola wie erloschen, die Seelen ertranken in
Kleinmut: „Der Herr hat das Land verlassen, der Herr
sieht nicht.“ Nun fühlten alle wieder die lebendige Ge-
genwart Gottes, man sah abermals Seinen starken Arm.
Er hat die dunkle Sehnsucht von Generationen in Er-
füllung gehen lassen. Es gibt doch einen Gott im Him-
mel, der die Welt mit Gerechtigkeit lenkt und der
seinen Diener Israel beschützt. Wie hoch stand der
Unbekannte, dieser seltsame Gottesmann, über ihnen
allen! Er war der einzige Sehende in einem Geschlechte
von Blinden, der einzige Hörende in einem Volke von
Tauben. Alles, was er vorausgesagt, ist eingetroffen;
seine Träume werden Wirklichkeit.
Nach einer Weile erklang die Stimme des Propheten
von neuem. Er wollte jetzt sein Inneres vor der Gola
ausschütten. Er wollte ihren Blick weiten, sie hinter den
Vorhang blicken lassen, sie ahnen lassen, was in den
ewigen Sphären sich bewegt, jenseits von den aufregen-
den Geschehnissen des Tages. Er wollte versuchen, das
Rätsel Israel zu deuten, als einen ’Teil vom Rätsel der
Menschheit. Stand er doch an diesem Tage zum letzten-
mal von Angesicht zu Angesicht vor diesem durch Lei-
den geläuterten Volke, das auf der Schwelle zu neuem
Leben stand, unbekannten Geschicken entgegengehend.
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