Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Arthur Rosenberg, Das Geschichtsbild des Bolschewismus - V. Bucharins historischer Materialismus
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
268
Arthur Rosenberg’.
sie im Stande ist, weiter zu blicken, und das wahrzunehmen, was
dem Blick der Gesellschaftswissenschaft der Bourgeoisie entgeht:
»Daher ist es auch begreiflich, dass wir Marxisten das volle Recht
haben, grade die proletarische Wissenschaft als die richtige zu
betrachten und für sie die allgemeine Anerkennung zu fordern».
Das Verhältnis der Geschichte zur Soziologie ist nach
Bucha-rin das folgende: Da die Soziologie die allgemeinen Gesetze der
menschlichen Entwicklung auffindet, so dient sie als Methode für
die Geschichte. Wenn z. B. die Soziologie den allgemeinen Satz
aufstellt, dass die Staatsformen von den Wirtschaftsformen
abhängen, so muss der Historiker in jeder Epoche diesen
Zusammenhang aufsuchen, und er hat zu zeigen, wie dieser Zusammenhang
konkret seinen Ausdruck findet. Die Geschichte liefert daher das
Material für die soziologischen Schlussfolgerungen und
Verallgemeinerungen.
Es ist überflüssig, hier auf die Einzelheiten der
Geschichtsauffassung Bucharins einzugehen, soweit sie den grossen Linien
der bekannten marxistischen Geschichtsphilosophie entspricht. In
der allgemeinen Theorie der Revolution lehnt sich Bucharin an
die berühmten Sätze Hegels in der »Logik» über den qualitativen
Sprung an. In der Gesellschaft wie in der Natur gibt es Sprünge.
In der Gesellschaft wie in der Natur werden diese Sprünge
vorbereitet durch den vorhergehenden Gang der Dinge, oder mit
andern Worten: in der Gesellschaft wie in der Natur führt die
Evolution, die stetige Entwicklung, zur Revolution, zum Sprung.
Aus Bucharins Betrachtungen über das Verhältnis von
Produktion zur Ideologie sei nur ein charakteristischer Satz
hervorgehoben: »Wenn wir auf allen Gebieten des gesellschaftlichen
Lebens eine Bestimmtheit der Formen wahrnehmen, können wir
da behaupten, dass alle Gebiete des Lebens ihren Stil haben?
Natürlich können wir es tun! Man kann mit demselben Recht
vom Stil der Wissenschaft reden, wie man vom Stil der Kunst
redet . . . Neben der Produktionsweise existiert auch eine
Vorstellungsweise, wie Marx sie nennt. Das ist der Stil der Ideologie
der gegebenen Epoche überhaupt, d. h. jede besondere Art der
Kombination von Ideen, Gedanken, Gefühlen und Gestalten, die
für die betreffende Epoche charakteristisch ist». Die Grundlage
für den gesellschaftlichen »Stil» einer jeden Epoche liefern die
Produktionsverhältnisse.
In der historischen Analyse der Revolution unterscheidet
Bucharin 4 verschiedene Phasen. Die erste Phase ist die geistige
Revolution, sie besteht im Zusammenbruch der alten Psychologie
und Ideologie und in der Schaffung einer neuen wirklich
revolutionären Psychologie und Ideologie. Die 2. Phase der Revolution
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>