- Project Runeberg -  Schweden : historisch-statistisches Handbuch / Erster Teil : Land und Volk /
825

(1913) [MARC] Author: Joseph Guinchard
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - V. Soziale Bewegungen - 4. Sonstige soziale Bewegungen - Volksbildungsbestrebungen. Von G. H. von Koch

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VOLKSBILDUNGSBESTREBUNGEN.

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gung sind aus den Nachbarländern gekommen, aber in der Kegel einerseits von
der Volkshochschule, andererseits von der Abstinenzbewegung aufgenommen
worden. In verschiedenen Teilen des Landes hat sich diese Bewegung vor allem
durch ihre Sommerfeste bekannt gemacht, welche grosse Volksmassen vereinigen,
und bei denen bekannte liedner, nicht selten auch Dichter und Künstler,
mitwirken. In der letzten Zeit haben diese Veranstaltungen immer mehr den
Charakter von Heimatsfesten angenommen. Wichtiger als diese Feste sind
jedoch die lokalen Vereinigungen, die in verschiedenen Provinzen, z. B. in
Schonen und Östergötland, zustandegekommen sind und sich zu Organisationen,
welche je ein Län umfassen, zusammengeschlossen haben. Gesang, Musik,
Deklamation, Diskussionen und Volkstänze pflegen diese Vereine, deren
Entwicklung indessen durch die politische und soziale Zersplitterung der Bevölkerung
erschwert zu werden scheint.

Mehr zu reinen Studienzwecken haben sich innerhalb der
Abstinenzvereinigungen Studienzirkel gebildet. Die christliche Jugendbewegung wiederum hat
fast ausschliesslich religiösen Charakter. Sie bildet entweder einen Teil der
Gemeindefürsorge einer Kirche oder Gesellschaft, wie z. B. die Missionsvereine
des schwedischen Missionsbundes, der von der Evangelischen Vaterlandsstiftung
geleitete »Bund der Jugend», oder sie hat einen interkonfessionellen Charakter,
wie die Jugendabteilungen der Vereine christlicher junger Männer und Frauen
(s. Art.). Schliesslich sind die sozialdemokratischen Jugendklubs zu erwähnen,
die sich auf politische Fragen konzentrieren, aber auch der Erwerbung von
Kenntnissen grosse Aufmerksamkeit schenken.

Zur Volksbildungsbewegung können auch verschiedene Vereine gerechnet
werden, deren Zweck es ist, Aufklärung über soziale Fragen zu verbreiten und zur
Ausgleichung der Klassengegensätze beizutragen. Einige Beispiele für
Unternehmungen dieser Art mögen hier angeführt werden. Seit 1893 werden in
Stockholm, ursprünglich auf die Initiative der Schriftstellerin Ellen Key hin,
gesellige Zusammenkünfte veranstaltet, die von Arbeiterinnen und Frauen aus
den gebildeten Gesellschaftsschichten besucht werden. Diese Zusammenkünfte
erfreuen sich von jeher eines lebhaften Interesses und tragen dazu bei, das
gegenseitige Verständnis zwischen Frauen in verschiedenen Lebensstellungen zu
fördern. Einen noch grösseren Einfluss haben die Vereine ausgeübt, die unter
dem Namen »Studenten und Arbeiter» in Stockholm, Gotenburg und den beiden
Universitätsstädten wirken. Schon im Jahre 1886 wurde ein solcher Verein in
Uppsala gebildet, aber der später in Stockholm entstandene erreichte
entschieden die grösste Zahl von Mitgliedern, Männern und Frauen aus verschiedenen
Berufen und Ständen. Unter Leitung seines energischen Vorsitzenden, Dr.
med. E. Laurent, übte dieser Verein im letzten Jahrzehnt des 19. und in den
ersten Jahren des 20. Jahrhunderts einen weitreichenden Einfluss aus, durch
Veranstaltung von mit lebhaftem Interesse verfolgten Diskussionen über soziale
Fragen sowie durch Zusammenkünfte und Ausflüge, welche die körperlich
arbeitende und die studierende Klasse mit einander in Berührung brachten. Während
der letzten Jahre hat jedoch die politische Entwicklung die Tätigkeit dieser
Vereine erschwert und wesentlich beschränkt.

Derselbe Gedanke, d. h. eine engere Verbindung zwischen den verschiedenen
Gesellschaftsschichten wie auch zwischen Stadt und Land, liegt teilweise auch
dem Streben zugrunde, Schüler und Studenten dazu zu veranlassen, während der
Sommerferien an der Feldarbeit teilzunehmen. Der hauptsächlichste Zweck ist
dabei jedoch, »Büchermenschen» ohne grosse Kosten eine wohlangebrachte
Erholung zu verschaffen, denn sie sollen sich durch ihre Arbeit Wohnung und Kost
verdienen. Ein Student in Uppsala regte im Jahre 1907 die Sache an. Seither
haben immer zahlreichere Kreise den Nutzen einer solchen Sommerarbeit
eingesehen. Dies geht daraus hervor, dass von 101 in der Stadt wohnenden

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