- Project Runeberg -  Svensk botanisk tidskrift / Band 17. 1923 /
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"hauptet sogar, dass die vielen Kleinarten Linn&s Art Draba verna
pulverisiert haben, obgleich es schwer zu verstehen ist, wie eine von
der Natur gemachte Einheit pulverisiert werden könnte.

Wie alle Wissenschaftsleute war auch JORDAN in seiner Forschung
begrenzt. Nur eine seiner Schwächen werde ich hervorheben. Er
glaubte fest und hat seinen Standpunkt sehr stark betont, dass
sowohl Arten wie Kleinarten ursprünglich und unveränderlich
seien. Durch Studien über die Peloria hatte LINNE sich schon 1744
überzeugt, dass diese Form in der Zeit gebildet sein musste und
vielleicht ein Kreuzungsprodukt ausmachte. Er erweiterte allmäh-
lich seine Erfahrung über die hybriden Pflanzen und kam zu
dem Schluss, dass sowohl Arten wie Kleinarten durch Kreuzung
entstanden sind (Fundam. fructific.; Genera plantarum IV, 1764;
Systema nature XII, 1767). Unsere Zeit sieht nunmehr die Frage
ungefähr so wie LiNNÉ an. Durch Kreuzung und Verlustmutation
lässt sich die Frage der Artbildung mit einem gewissen Erfolg
behandeln. Es scheint sogar, dass die Hybridbildung oftmals der
Verlustmutation vorangeht.

Die Forschungen von JORDAN zeigen in dem äusseren Hervor-
treten mit denjenigen von MENDEL eine gewisse Ähnlichkeit. Beide
gingen, ohne es zu wissen, von Linnéschen "Theorien aus, die
hundert Jahre ungestört geschlafen hatten. LINNÉ hegte die leb-
hafteste Hoffnung, dass einmal ein “cordatus botanicus* erscheinen
sollte, der die Artbildung durch Kreuzung verifizierte. MENDEL
kam, und in der Tat entdeckte er das Gesetz für die Bildung
neuer konstanter Arten durch Kreuzung. — LINNE hatte mehrere
konstante Varietäten genau studiert und den Ausspruch getan,
dass dieselben unzählig viele wären. Jorpan bewies, dass dieser
Gedanke der Wirklichkeit entspricht. Beide, MENDEL sowie JORDAN,
arbeiteten in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahr-
hunderts. Damals glaubten die Biologen fest an die Varietäten
als beginnende neue Arten. Für die konstanten Kleinarten und
eine Vererbung unveränderlicher Erbeinheiten hatten sie kein In-
teresse. Diese Tatsachen waren ihnen sogar unbequem.

Es ist wehmütig, die Briefe von MENDEL an NÄGELI zu lesen.
MENDEL hoffte bei dem tonangebenden Biologen Verständniss für
seine Entdeckungen zu finden, legte ihm seine Resultate vor,
sandte sorgfältig gewähltes Kulturmaterial, aber Alles umsonst,
kein Resultat wurde erreicht. MENDEL schied von der Wissenschaft,
noch nicht 50 Jahre alt.

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