- Project Runeberg -  Upsala Universitets Årsskrift / 1862 /
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6 W. E. Lidforss.

K. F. BECKER begrändet. Gelegentlich werden wir anleitung finden der
anfichten beider erwähnung zu tun.

Betrachten wir nun den jetzigen stand der deutschen konjugazion,
fo zeigt fich gleich eine bedeutende verschiedenheit von den klaffischen
und romanischen sprachen. Die drei modi find da, indikativ, kon-
junktiv, imperativ, aber nicht in demfelben reichtum der formen, noch
derfelben energischen kraft der verwendung wie in jenen. Man vergleiche
z. b. das lateinische: restitisses, repugnasses, mortem pugnans
oppetisses, mit dem deutschen: du hätteft dich wehren, hättelt im
kampfe den tod fuchen follen; ferner: cui Metellus petenti, more re-
gum ut sellam juxta poneret, item postea custodie caussa turmam
equitum Romanorum, utrumque negaverat, dass er feinen fitz neben
den des Metellus stellen därfe; una sententia de pace legatos ad Sy-
phacem decernebat, altera Hannibalem ad tuendam patriam re voca-
bat, gieng dahin Hannibal zuräck zu rufen, oder wollte es tun; stella
rursus aperiuntur, lassen fich wieder fehen; Democritus levibns et
rotundis corpusculis efficit animum concursu quodam fortuito, läst
entstehen; poenam, verbera subire, eine strafe, schläge aushalten
miäsen; fateor, ich mus gestehen; cogor, ich fehe oder finde mich
gezwungen; debeo, ich föhle mich verpflichtet; scribo latine, ich
kann latein schreiben; obliviscor, ich will vergessen; hoc unum dico,
nur das Eine will ich fagen; und unzählige andere. Wenn aber in
diefer weife dem deutschen die bändige kärze des lateins abgeht, fo hat
es dagegen einen vorzug in der gröseren bestimmtheit, die durch die
häufige verwendung modaler hilfswörter erzielt wird, deren jedes dem
ausdrucke eine befondere schattirung giebt. So kann man oft zweifel-
haft fein, ob z b. das lateinische quis dubitet? zu öberfetzen fei durch:
wer möchte noch zweifeln (d. h. wer ift noch geneigt zu zweifeln?)
oder durch: wer därfte noch zweifeln? (d. h. das zweifeln ift aus
moralischen gränden nicht erlaubt) oder durch: wer könnte noch
zweifeln? (das zweifeln scheint unmöglich). Eben fo liegt auch im la-
teinischen ackufativ mit dem infinitiv eine grösere modale unbestimmt-
heit als in dem entsprechenden deutschen ausdrucke; denn es lassen
fich z b. die worte: nuntiat amicum venisse, öberfetzen fo wohl durch:
er kändigt an, dass fein freund gekommen ift, als auch: fei, worin
aber eine ganz verschiedene vorstellung angedeutet liegt.

masen ausdriäckt: ”Der von dem sprechenden angeschaute — logisch mögliche
— gedanke wird in einem nebenfatze ausgedräckt, und das modusverhältnis
des logisch möglichen gedankens durch die modusform des konjunktivs be-
zeichnet. Der modus der nebenlätze ift allo eigentlich der konjunktiv.”

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