- Project Runeberg -  Upsala Universitets Årsskrift / 1862 /
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Beiträge zur Kenntnis von dem Gebrauch des Konjunktivs im Deutschen. Z

Was die tempora betrifft, fo haben alle germanische sprachen feit
uralter zeit her nur zwei einfache zeitformen, fär gegenwart und ver-
gangenheit: das, was nicht in die zeit gekommen ift, das noch nicht
gewordene hat auch keine sprachliche form, fondern fällt mit der ge-
genwart, aus der es fich entwickelt und fortfetzt, zufammen. Dem
gemäs wird auch anfänglich, im gotischen, das futurum durch das
prälens ausgedröckt: gasaiwand heist fo wohl fie werden fehen,
als fie fehen. Später nun bringt die sprache das ungewordene durch
die vorläufer desfelben; z. b. den willen oder die pflicht, die es aus
deffen nichts hervor rufen können, mit der zeit in verbindung. Sie
fetzt nämlich den gegenwärtigen willen statt der auf diefen willen in
einer noch nicht gewordenen zeit folgenden handlung: ich will lefen
ift fomit ein mittelbarer ausdruck för das futurum, indem mein
jetziger wille ein hernach folgendes lefen erwarten läst. Nicht
anders mit foll: die in der gegenwart geföhlte pflicht bezeichnet das
zukänftige handeln nach diefer pflicht. So im mitteldeutschen, fo auch
immer noch in den verwandten sprachen. In dem modernen deutschen
dagegen wird das futurum durch werden, d. h. durch den beginn der
handlung bezeichnet; ich werde lefen ift fo viel als: ich werde
lefend, d. h. mein lefen ift eben im werden begriffen.

Es haben fomit die germanischen sprachen eigentlich nur zwei
kategorien der zeit: vergangenheit und gegenwart. In welche von die-
fen kategorien eine handlung fällt, ilt fie dabei immer als vollendet
oder unvollendet zu betrachten. Der zeitpunkt nun, zu welchem
der redende die zeitliche lage einer handlung am erften bezieht, ift natär-
lich der augenblick feiner eigenen gegenwart. Ich lefe und ich habe
gelefen find alle beide gegenwärtige zeiten, letzteres ift aber vollendet,
erfteres unvollendet vor dem jetzt des redenden. Diefer jedoch schreitet
immerdar auf dem strome der zeit weiter, und immerdar wechfeln ihm
die punkte vorne, gegenäber, hinten; der moment, der heute
jetzt heist, wird morgen vorher heisen, und fo immerfort. Dies gilt
nun auch fär die zukunft; etwas kann auch in diefer zeit als vollendet
oder unvollendet gedacht werden: ich werde lefen, ich werde
gelefen haben. Riäckt man nun auch hier den punkt der gegenwart
um einen schritt zuröck und ihn vergangenheit werden läst, indem
man felbft in die noch ungewordne zukunft hinein schreitet, fo
erhält man ein futurum vom standpunkte der vergangenheit. Alfo
gewinnen wir fär das deutsche die folgenden zwei reihen von tem-
pora för prälens und präteritum, an welche beide fich futural-tempora
anknöpfen:

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