- Project Runeberg -  Upsala Universitets Årsskrift / 1862 /
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Beiträge zur Kenntnis von dem Gebrauch des Konjunktivs im Deutechen. 35

konjonktiv, je nachdem der redende felbft fich an der frage beteilige
oder nicht. In willensfätzen fei der konjunktiv der regel nach uner-
lässlich, nur dass nach manchen prädikaten folcher bedeutung, wie
fäörehten und hoffen, man jetzt, wenn mit zuverlicht gehofft oder
gefärchtet werde, den indikativ folgen lasse, und dass, wenn in final-
fätzen der indikativ stehe, dies nur mit besug auf ein schon erreichtes
ziel statt finde. Ich bin weit entfernt, die göltigkeit diefes rälonne-
ments zu bestreiten, und es unterliegt keinem zweifel, dass die meiften
verfasser, von denen man ja voraus [etzen darf, dass fie einmal in ihrer
muttersprache unterricht genossen haben, mit oder ohne bewuftfein da-
nach schreiben; und doch wie viele verstöse dagegen entdeckt man
auch bei den grösten schriftstellern! — verstöse, die fo gros find, dass
auch bei möglichfter elaftizität der regeln diefe fich nicht nach ihnen
dehnen lassen. So z. b. fagt MOSHEIM in einer predigt: !) es ist be-
wiefen, dass da die gröste gläckfeligkeit wohne, wo fich diefe beide
tugenden aufhalten . ... und es ist gleichfalls unstreitig, dass der ärm-
fte und geringfte fich diefe teuren gäter zu eigen machen könne.
Dagegen GELLERT:?) endlich ift es falsch, dass ein bequemliches le-
ben ein zufriednes ift. Bei jenem wärde man unfehlbar den indikativ,
bei diefem eben fo unfehlbar den konjunktiv erwartet haben, und
. wirklich fetzt MOSBEIM einige zeilen weiter fo fort: es ilt wahr, dass
unter den menschen viele ungläöckliche find, die ete. Der filosof
WoLF schreibt einmal: hieraus aber erhellet ferner, dass er unverän-
derlich fei; ein ander mal; demnach erhellet, dass alles, was richtig
demonstriret wird, eben fo gewifs ift, als dass wir find. Eben fo: fo
erkennet man hieraus deutlich, dass die wahrheit von dem trauen un-
terschieden fei; aber: dadurch dass wir erkennen, dass etwas nach
und nach entstehen kann. Dann: denn wenn –-; fo zeiget man
durch vernunftschlässe, dass er nicht –- zufammen hange; und: hin-
gegen wenn - - -; fo weifet man durch richtige schlässe, dass er mit
anderen wahrheiten, die im vorher gehenden ausgemacht worden, strei-
tet oder ihnen widerspricht.3) Von LESSING fäöhre ich an: ich
foll den herrn nur erft ergränden, ob er fo der mann wohl ift III: 35.
Da lauf” ich nun bei allen schmutz’gen Mohren herum, und frage, wer
-ihm borgen will ib. 86. So macht nur, dass er euch hier nicht gewahr
wird ib. 68. Willft du nur, dass ich will ib. 168. Gönnt’s ihr doch,
dass fie euch nie mit andern augen darf betrachten ib. 188. Denn

!) In G. ScHwaBs ”Die Deutsche Profa” IL Stuttgart 1860.

2) Dafelbh.

3) Alle. diefe beispiele lind nach W. WACEERNAGELS deutschem lefebucho
(Bafel 1847) gegeben,

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