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Beiträge sor Kenntnis von dem Gebrauch des Konjunktivs im Deutschen. 37
die schon gegebenen hoffentlich hinreichen, nm der oben gemachten
behauptung einigermasen vorschub zu leiiten: die verfasser, auch die in
stililtischer hinficht anerkannt reinften, fänden oft gegen die grammatik.
Heist das nun, dass der fehler nur bei dep schriftstellern ilft, oder
wäre vielleicht auch etwas an der grammatik zu rägen? Diefe, weon
fie fich nicht in ein unfruchtbares teorilirev und a priori konftruiren
vertieft, geht notwendig aus beobachtung der sprache hervor und zwar
nicht nur der geschriebenen, fondern, in fo fern die sprache eine leben-
de ift, auch mit gleichem rechte der gesprochenen. Hier stellt lich
uns denn die frage entgegen: wie spricht das vojk? Einer folchen frage
gegenöber wird die antwort patäörlich immer eine mifsliche aufgabe
werden, befonders einem fremden; indeffen kann ich an diefem orte
nicht die öberzeugung unterdröcken, dass im fraglichen falle der kon-
junktiv im munde des volkes zu den feltenbeiten gebört, ja dass fogar
manchmal dem volke der indikativ eben fo unerlässlich als der gram-
matik der konjunktiv zu fein scheint. Fin beispiel wird die fache er-
läutern. In dem alltagsleben wird man ohne zweifel immer fagen: ich
weis nicht, ob er kommt; er bezweifelt, dass fein bruder fo etwas
getan hat. In beiden fällen fordert aber die grammatik, von den ka-
tegorien der wirklichkeit und möglichkeit ausgebend, den konjunktiv.
Nicht anders in willensfätzen, da das gewollte noch nicht zur wirk-
lichkeit gediehen, fomit auch vorläufig nur als möglich zu denken ift:
und doch hört man auch hier faft immer den indikativ: mache, dass
der junge in die welt hinaus kommt, damit er fein brod felbft yer-
dient; u. f. w. Und verfasser, die aus volkes munde erzäblen, wie
z. b. die bröder GRIMM in den kinder- und hausmärchen, BERTHOLD
AUERBACH, JEREMIAS GOTTHELF und andere mehrere bestätigen die-
fe anficht auf jedem blatte.
Die geschichte des konjunktivs in den fubftantivfätzen ift alfo die
folgende: das gotische fasste den inhalt des nebenfatzes, in fo fern er
immer den gegenstand einer geiftestätigkeit ausdröckt, als reine vor-
stellung, die dabei von aller relazion zur wirklichkeit völlig gefondert
wurde, und verwandte daher mit einzeloen ansnahmen immer den kon-
junktiv. Im md. fängt der indikativ an, dem konjunktiv den platz
streitig zu machen, aber noch in verworrener weife. Im nd. ordnet fich
das verhältnis anfänglich, doch nicht etwa nach den kategorien der wirk-
lichkeit und möglichkeit, fondern vielmehr (man fehe SCHÖTENSACKS
beweisfährung hier oben) nach dem verhältnisse des redenden zu dem
mählern wiöänschten, aber einmal!fär wenvige erbfen, die fie aus not vom
felde ablafen, jämmerlich geschlagen und ans dem lande gejagt wurden,
Ryno Era. V; 215.
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