- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugusjätte årgången, 1926 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Peter Josef Wagner, Über die Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland in der mittelalterlichen Musik

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MORGEN- UND ABENDLAND IN DER MITTELALTERLICHEN MUSIK I 6 5

eigenen Füssen; Asien konnte ihm nicht mehr viel bieten.
Jahrhunderte hindurch hatte es Europa, um es so auszudrücken,
mit künstlerischem Rohstoff versorgt, den dann die beweglichere
und vorwärtsstrebende Eigenart der Abendländer umgestaltet
und wesentlich fortschrittlichem Zielen dienstbar gemacht hatte.
Kaum waren die aus dem Osten stammenden Instrumente alle
beisammen, da begann im europäischen Nordwesten und in
Venedig ein instrumentales Suchen, Experimentieren und frisches
Wagen, das bereits Ende des 16. Jahrh. eigene Musikformen
zeitigte, das Ricercare, die Toccata, Suonata und Sinfonia.
Fortan spielte Asien nur mehr die Rolle des Empfängers, dies
bis zu dem Grade, dass allmählich und mit dem wachsenden
Verkehr zwischen beiden Welten um so energischer die
europäische Musik in den Orient ihren Einzug hält. Politische und
Handelsbeziehungen, aber auch die europäischen Missionäre haben
das ihrige getan, um unsere Musik in den gebildeten Kreisen
des fernen Ostens bekannt zu machen. Nun ist dieser
Durch-dringungsprozess mit europäischer Kultur und Kunst weit davon
entfernt, bisher das Aussehen der einheimischen Musik verändert
zu haben, denn es fehlt auch dort nicht an Widerständen, die
der wissenschaftlich gerichtete Musikfreund durchaus nicht
verurteilen wird; im Gegenteil, wir haben alle Ursache, dieser zwar
auf uns seltsam wirkenden, aber für die Entwicklungsgeschichte
der Kunst ungemein wichtigen Musik ein langes Leben zu
wünschen. Ist sie doch ein Stück echten Volkstums, der
Widerschein eigenartiger künstlerischer Strebungen, nur in anderer
Richtung geleitet als die unsere, wenngleich, das dürfen wir
getrost sagen, auf primitiverem Grunde aufgerichtet und gross
geworden, auch weniger ergiebig und reichhaltig.

Um so mehr bildet heute die östliche Musik Gegenstand
gelehrter Durchdringung. Nach vielen wissenschaftlich, namentlich
methodisch unzureichenden Versuchen arbeitet die exotische
Musikforschung mit exakten Mitteln, wie phonographischen
Aufnehmen und mathematisch genauen Methoden der Bestimmung
und Messung von Tonhöhen und Rhythmen. Die Zeit ist nicht
mehr fern, in der ein nach europäischer Art gebildeter
chinesischer oder japanischer Musikgelehrter einmal vor einer
wissenschaftlich interessierten einheimischen Zuhörerschaft einen
Vortrag halten wird über die Einwirkungen abendländischer auf
die neuere ostasiatische Musik.

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