- Project Runeberg -  Abenteuer in Tibet /
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(1904) [MARC] Author: Sven Hedin - Tema: Exploration
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 2. Über Gebirge und durch Wüsten nach dem flusse Jarkent-darja

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Die Veranlassungen zu Freud und Leid, die während einer langen
Reise abwechselten, sind mir stets mit derselben klangvollen Musik
begleitet worden. Träume ich jetzt gelegentlich in meinem stillen Heim
von der Wüste und erwache plötzlich, so horche ich unwillkürlich nach
dem dazugehörigen Glockenklange. Wird in einer Kirche zur
Beerdigung geläutet, so denke ich an den Aufbruch nach der Wüste, und
wenn dieselben Glocken die Gemeinde zum Gottesdienste rufen, kehren
mir meine Erinnerungen an die Sonntagsruhe der Wüste und an die
göttliche Feierlichkeit unter den tibetischen Gebirgsdomen zurück. Und
ich weiß ja, daß man einst mich selbst bei Glockengeläute forttragen
wird, entweder beim Klange der Glocken einer Kirche oder beim Klange
der Glocken einer Karawane. Im jedem Falle ist es eine
Siegeshymne, die mir unendlich teuer ist. —

Jetzt sind wir am Ufer des Flusses Kisil-su, „das rote Wasser“,
in dessen Bett sich ungeheure Wassermassen dahinwälzen, trübe und
dick wie Hagebuttensuppe. Nachdem einige von den Leuten vergebens
versucht hatten, eine Furt zu finden, ist Kader an der Reihe, sein
Glück zu probieren. Entschlossen stemmt er seinem zottigen kleinen
Kirgisenpferde die Absätze in die Seite und reitet gerade in das dumpf
und schwer rauschende Wasser hinein. Das Pferd sinkt immer tiefer;
jetzt reicht ihm das Wasser bis an den Sattelknopf. Im Augenblick
verschwinden Roß und Reiter in den trüben Wellen; nur ihre Köpfe
sind noch über der Oberfläche des Flusses zu sehen. Kader hat die
Arme um den Hals des Pferdes geschlungen; mit schwindelnder
Schnelligkeit werden beide von der Strömung fortgerissen, und sie scheinen
sich bei der ersten Biegung wie ein Kreisel zu drehen. Vermutlich
wurde Kader auf irgendeine Weise der Situation Herr, denn nach einer
guten Weise erschien er wieder, naß und begossen wie eine getaufte
Maus, das Pferd am Zügel führend. So seltsam es klingen mag,
kamen wir doch ziemlich trockenen Fußes über den Fluß, als wir bald
darauf eine leidliche Furt gefunden hatten. —

Die Karawane, mit der ich am 5. September 1899 Kaschgar
verließ, zählte 15 prächtige Kamele, 1 Dutzend Pferde und eine ganze

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