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Zweitausend Kilometer auf einer Fähre. 95
eingejegt, für den Fall, daß die Kälte mich im Herbste aus dem Zelte
dorthin treiben würde.
Ganz vorn im Zelte ftanden zwei Koffer aufeinander, die mir
al3 Schreibtijch dienten, und das Futteral des photographiichen Appa—
rat3 war mein Stuhl. Hier jaß ich wie fejtgenagelt während der
ganzen langen Fahrt und zeichnete eine Karte von dem gewaltigen
Flusse, jeinen Ufern und Injeln, feinen Wäldern und Bergen von
Flugsand. Das Ded, auf dem das Zelt ftand, war mit einem pracht-
vollen Teppich aus Chotan belegt; im übrigen bejtand die Einrich-
tung aus meinem bequemen Feldbette und ein paar Kiften mit wid)-
tigen Instrumenten.
Eine Feine Fähre, die in Lailif gebaut wurde, jollte unjeren
gröberen PBroviant, wie Mehlsäcke und Brot, Gemüse und Obst,
Schafe und Hühner, befördern. Idyllisch wie ein Landgut, tanzte
dieje Fleine Fähre den Tarim hinunter, und ihre Bafjagiere gewöhnten
fi) bald daran, die Ufer vorbeieilen zu jehen. Die Hühner verjorg-
ten. mich mit Eiern zum Frühftüd, der Hahn wecte mich zur Tages—
arbeit und zeigte Dabei eine jo überlegene Sicherheit, als jet er Ober-
admiral der ganzen Flottille.
Bevor wir Lailif verließen, wurden alle Bornehmeren aus den
Nachbardörfern und unjere Arbeiter zu einem großen Gajtmahle ge-
laden, bei dem es Schaffleiih, dampfenden Neispudding und brüh—
heißen Tee im Überfluß gab. Bei Eintritt der Dunkelheit wurden
chinesische Bapierlaternen zwijchen den Zelten aufgehängt, und ein aus
Trommeln und Satteninjtrumenten bejtehendes Orchester erflang ein-
tönig und wehmütig durch die Hare, jtille Abendluft. Für mich war
diese anundfürfich sympathische Mufif mit traurigen Erinnerungen ver-
fnüpft. Diejelben Leute, die jebt mit Luft und Liebe auf ihre Trom-
meln jchlugen, hatten vor vier Jahren auf diejelbe Weise meinen Auf-
bruch zu dem unheimlichen Wüstenzuge gefeiert. Wie jo ganz anders
al3 damal3 waren die Gejchide, denen wir jest entgegengingen! Wir
brauchten wenigjtens nicht vor Durjt zu jterben, Tag und Nacht würde
das Rauschen des Wassers unjere Worte und Gedanken begleiten. Unsere
x GN.C.A,
A uR,
— 3 —
Deptt of Arte
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