- Project Runeberg -  Abenteuer in Tibet /
62

(1904) [MARC] Author: Sven Hedin - Tema: Exploration
Table of Contents / Innehåll | << Previous | Next >>
  Project Runeberg | Catalog | Recent Changes | Donate | Comments? |   

Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 6. In schwindelnder Fahrt den grossen, einsamen Tarim hinab

scanned image

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Below is the raw OCR text from the above scanned image. Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan. Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!

This page has been proofread at least once. (diff) (history)
Denna sida har korrekturlästs minst en gång. (skillnad) (historik)

uns näherten. In einem Gehöfte hofften wir sicher, irgendeinen
Menschen anzutreffen, denn der Kessel kochte über dem Feuer, Schafe
weideten um das Haus herum, und die Hunde machten entsetzlichen
Lärm. Das Dickicht in der Nachbarschaft wurde durchsucht, und
schließlich erwischten wir einen Knaben. Aber der arme Junge war
so verängstigt, daß er sich nicht bewegen ließ, den Mund aufzutun,
geichweige denn, uns Bescheid zu geben; er schaute nur zitternd zu
Boden. Durch eine energisch ausgeführte Treibjagd gelang es uns
jedoch, am folgenden Tage einen Hirten einzufangen, der an Bord
gebracht und so lange im leichter Haft gehalten wurde, bis seine
geographischen Kenntnisse erschöpft waren.

Wieviele phantastische Sagen und Märchen werden wohl infolge
unserer Reise entstanden sein. Denn was sollten diese einfachen Hirten
denken, wenn sie die Fähre wie ein gewaltiges Wasserungeheuer
heranschleichen sahen, Fühlhörnern gleich die Stangen nach allen Seiten
ausstreckend? Besinnungslos liefen sie davon und laufen vielleicht noch,
wie von Waldgeistern erschreckt.

In dem Walde von Dung-Kotan besuchten wir einen reichen
Jäger und Hirten, der viele Tiger erlegt hatte, um die Felle an die
Chinesen zu verkaufen. Er erzählte uns, wie dieses Tier getötet wird.
Es muß mit List geschehen, denn mit den einfachen Vorderladegewehren,
die man hierzulande benutzt, wäre es nicht ratsam, sich diesem
wildesten und gefährlichsten aller Wald- und Dickichtbewohner zu
nähern.

Wenn der Tiger ein Pferd, eine Kuh oder ein Schaf geraubt
hat, schleppt er seine Beute in das Schilf hinein, frißt sich satt und
läßt den Rest vorläufig liegen. Wenn er wieder seiner Wege geht,
folgt er beinahe stets einem ausgetretenen Hirtenpfade. An der Spur
sieht man, welche Richtung er eingeschlagen hat und von woher man
ihn erwarten kann, und die Reste der Beute verraten, daß er
wiederzukommen gedenkt, wenn er hungrig wird. Auf diesen Pfad wird das
Eisen oder die Falle gestellt und gut mit Zweigen, Reisig und Laub
verdeckt; unter ihr gräbt man eine einen halben Meter tiefe Grube.

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Project Runeberg, Thu Jan 11 14:43:53 2024 (aronsson) (download) << Previous Next >>
https://runeberg.org/abetibet/0077.html

Valid HTML 4.0! All our files are DRM-free