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Jahre später fragten mich in Ladak einige indische Kaufleute, ob ich
nicht von einen Weißen gehört hätte, der monatelang einen großen
Fluß im Norden hinabgesegelt sei; sie erklärten, auf dem Indus sei
eine solche Fahrt unmöglich.
Der 21. November war unser erster Tag in dem neuen
Flußbette, das höchst unregelmäßig war, da die Wassermasse sich
unaufhörlich um kleine Eilande teilt, auf die wir sicherlich aufgerannt wären,
wenn nicht ein ganzes Geschwader von Kähnen uns durchgelotst und
das Fahrwasser mit Rudern umntersucht hätte. Hier und dort stehen
absterbende Pappeln mitten im Wasser und strecken uns drohend die
Äste entgegen. Der Sicherheit halber mußten wir das Zelt
fortnehmen und die Instrumente vom Dache der schwarzen Kajüte
entfernen. Auf beiden Seiten erheben sich hohe Sanddünen, und der
Vegetationsgürtel an den Ufern wird immer schmaler.
Mit schwindelnder Fahrt ging es über die Stromschnellen
hinweg, wir legten über 100 Meter in der Minute zurück. Gerade als
wir im die eigentliche Sandwüste hineintrieben, wurde es dunkel, und
wir hielten es für das Ratsamste, Halt zu machen. Beim ersten
Morgengrauen aber ging es weiter. Fünfzehn Meter hohe, gelbe
Sanddünen fassen den Fluß ein. Auf diesen märchenhaft öden Ufern
war alles tot und kalt; keine Menschen, keine Tiere, nicht einmal
Raben und Geier, die Gäste der Wüste, zeigten sich. Es ist so still
wie auf einem Friedhofe; kein Gruß aus der Tiefe der Wüste dringt
zu uns, nur der Fluß singt sein rauschendes Lied. Doch auch dieses
sollte bald auf den Lippen des Tarim erfrieren.
Mit einem eigentümlich behaglichen Gefühle gleitet man durch
dieses unbekannte Land dahin, das selbst unsere Kahnleute noch nicht
besucht haben. Sie dienen uns jetzt mehr denn je als Avisoboote.
Sie senken ihre breitblättrigen Ruder senkrecht ins Wasser und
verschwinden hinter der nächsten Ecke, bleiben eine Weile fort und
erscheinen dann wieder vor uns, wenn sie eine kritische Stelle gefunden
haben. Sie umkreisen die Fähre wie Schaluppen eine Fregatte. An
einer Stelle teilte sich der Fluß in fünf Arme, deren Wasser weiß
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