- Project Runeberg -  Abenteuer in Tibet /
166

(1904) [MARC] Author: Sven Hedin - Tema: Exploration
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 14. In das öde Tibet

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166 Vierzehntes Kapitel.
den uns unfere nächsten mongolischen Nachbarn gejchenft hatten, waren
auch dabei und wurden im Augenblicke des Aufbruch von ihren zurück—
bleibenden Kameraden, mit denen fie nicht in Eintracht gelebt hatten,
zum Abschiede noch tüchtig zerzauft.
Schagdur wurde zum Chef des Hauptquartier ernannt, das nad)
einigen Tagen nach Temirlif verlegt werden jollte.
Die Glocken halten von den Granitfelfen Mandarlifs wieder,
al3 wir am 20. Juli 1900 von diesem friedlichen Orte fortzogen, um
bisher völlig unbefannte Teile der Erde zu erforjchen. Schon beim
ersten Zager hatte die Landschaft einen Hochgebirgscharakter angenom—
men, und wir befanden uns hier in einer Höhe von 3984 Meter.
Melodisch riejelte ein Bach durch das Tal, und auf jeinen Uferrändern
bfühten niedliche Feine Blumen in üppigem Moose. Das einzige
Brennmaterial, daS es gab, waren die Hinterlafjenichaften von den
Besuchen der Yake und Kulane „oder Wildejel. Murmeltiere pfiffen
gellend vor ihren Erdhöhlen, und Rebhühner gaderten geschäftig auf
den Hängen der Berge; Tscherdon schoß einige von ihnen.
Am folgenden Morgen herrjchte vollftändiger Winter, und Die
Landichaft verschwand unter einer dichten Schneedede. Wenn der
Hochjommer jo ift, befommt man Respekt vor dem Winter Diejer
Berggegenden. In dichtem Schneegejtöber zogen wir am 22. Juli
nach einem Tale mit fpärlicher Weide; während der Nacht gab es
ein richtige® Schneetreiben, und die Kälte ging auf — 4,5” herunter.
Bei Tagesanbruch wecte mich ein entsetzlicher Lärm, und jchnell
eilte ıch) aus dem Zelte. Es hatte fich entschieden etwas Unangenehmes
zugetragen. Zwischen unferen beiden Zelten zeigten fich überall Wolfs—
ipuren; nur vier Schafe, die angebunden gewejen, waren noch da, Die
übrigen, nebst Nias, waren verschwunden. Alle Mann begaben jid)
auf die Suche und fanden hier und dort zwijchen den Hügeln neun
zerrifiene Schafe, nur eins wurde gerettet, und eins war gar nicht
zu finden.
Nias, der vor Aufregung zitterte, bejchrieb das nächtliche Aben-
teuer in folgender Weise. Er hatte, wie gewöhnlich, neben den Schafen

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