Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 14. In das öde Tibet
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
In das öde Tibet, 173
mir, es ift für ein paar Monate mein Eigentum, mein eigenes Land.
Wie das Schiff schaukelnd feine jpurlofe Bahn durch die Dünungen
des Weltmeeres zieht, jo kreuzen auch wir über die Bergfetten Tibets
und zwifchen diejen zu Stein verwandelten, riefenhaften Wogen dahin.
Als ih am 6. Auguft nach einem anftrengenden Tage in Die
Nacht hinaustrat, war der Himmel bewölkt; nur ein Gletscherstock im
Süden lag nicht im Schatten, und der Mond erhellte mit jeinem
bleichen Lichte die Falten Firnfelder. Meine Leute jchliefen fejt, Die
Karamanentiere waren feitgemacht worden, das Lagerfeuer war er-
fojchen, nur der Bad) jang jein plätjcherndes, wehmütiges Lied zwischen
den Schieferplatten. Stumm umd ftill liegt die Nacht einfam über
der Wildnis, rings umher dehnt fi) auf allen Seiten ein Chaos von
unbeantworteten Fragen ımd ungelöften Rätseln aus, Weit hinten im
Süden ahnt man den Kamm des Himalaja und dahinter Indien mit
jeinen stickigen Dichungeln. Im fernen Weiten verjtriden sich umjere
tibetiichen Gebirge mit dem Hochlande von Pamir, und wenn die
Sonne bei ung aufgeht, hat, fie. schon ihre Morgenftrahlen auf das
Neich der Mitte fallen Lafjen. Vergebens jchaue ich nach einem Feuer
oder nach der Spur eines Menjchen aus; ich bin in einen unbewohnten
und unbewohnbaren Teil der Erde gelangt; ich fühle, daß ich wie ein
Staubforn auf ihrer unermeßlichen Oberfläche verschwinde, und glaube
zu spüren, wie der Planet fein rastloses Rollen dur) den Weltenraum
mit jchwindelnder Gejchwindigfeit fortsetzt.
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>